6. Sonntag im Jahreskreis (B), (Fasching, Karnevalssonntag)

Predigtimpuls

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1. Lesung: Lev 13,1-2.43ac.44ab.45-46
Zwischengesang: www.antwortpsalm.de
2. Lesung: 1Kor 10,31-11,1
Evangelium: Mk 1,40-45

Es sind jetzt nun fast 80 Jahr',
als die Geschichten von Herrn K.
Bert Brecht für uns hat aufgeschrieben.
Eine, die mir im Gedächtnis geblieben,
ist die vom Professor der Philosophie,
der äußerst große Töne spie,
weil von seiner Weisheit er ganz erfüllt.
Blöd nur, dass Herr K. so gar nicht gewillt
war, ihn zu überschütten mit Anerkennung und Lob.
Richtig wütend wurde der Professor darob.
Doch Herr K. konnte er damit nicht imponieren,
der ließ sich nicht von ihm manipulieren.
„Was du sagst, interessiert mich nicht,
wenn ich dir dabei schau ins Gesicht.
Dem merk' ich nämlich deine Haltung an.
Die ist für mich entscheidend, Mann!
Wie du mir gegenüber stehst, ist das was zählt.
Taugt deine Haltung nicht, ist jedes Tun und Reden verfehlt.“

An die Geschichte musst' ich denken, ihr Leut',
als ich gelesen hab' die Schrifttexte heut'.
Mose und Jesus sehen sich konfrontiert mit der gleichen Frage:
Wie ist umzugehen mit dem Aussatz, einer wirklichen Plage?
Genauer gesagt, geht es auch nicht um den Aussatz,
sondern die davon Befall´nen und um ihren Platz.
Und das in des Wortes doppelten Sinn:
Wo gehören die Aussätzigen lokal gesehen hin?
Aber auch welchen Platz soll man ihnen geben,
in unserem Denken, Fühlen, in unserem Leben?
Ziemlich klar und einfach scheint die Levitikus-Version:
Entdeckst du 'ne Schwellung, ab mit dem Typ zu Aaron!
Wenn der Priester die als Aussatz diagnostiziert,
wird nicht mehr lang herumdiskutiert.
Der Priester ihn zwingend für unrein erklärt
und klar ist auch, wie man weiter verfährt:
Erst wurden die andren auf das Übel aufmerksam gemacht,
dann die Aussätzigen rasch auf sichre Distanz gebracht.

Solches Vorgehen war regelkonform,
wenn des Buchstabens Gesetz ist die Norm.
Da gibt es auch kein großes Vertun,
kein schlechtes Gewissen, das einen nicht ruhn
lassen würde, weil ja alles korrekt.
Umso mehr hat mein Interesse geweckt,
dass und wie Jesus so ganz anders agiert.
Er hat halt wohl gleich zuinnerst gespürt,
dass fehl am Platz ein Verhalten gewesen,
wie in der Tora es ist nachzulesen.
Statt für Distanz hat er sich für Nähe entschieden,
selbst den engsten Kontakt hat er nicht vermieden,
auf Tuchfühlung ist er mit dem Aussätz'gen gegangen,
so konnte der zur Heilung gelangen.
Der Weg, den er beschritt, der war neu,
doch gleichzeitig blieb dem Gesetz er treu.
Das finde ich spannend und frage mich nun:
Hat das noch was mit mir, uns heute zu tun?

Eins zu eins lässt sich die Geschicht' nicht übertragen,
denn solcherlei Aussatz ist heut nicht mehr zu beklagen.
Doch braucht man ja nicht wirklich viel Phantasie,
muss wirklich nicht sein ein intellektuelles Genie,
um die Botschaft zu hören und auch zu verstehn:
Du musst entscheiden, welch Geist soll wehn,
in dir, durch dich und um dich herum.
Klingt gut, nicht, nur eins ist halt dumm:
Du musst entscheiden, auf dich kommt es an,
und da ist niemand, der dir das abnehmen kann.
Doch Gott sei Dank gibt es da noch jemand,
der hat einen guten Hinweis bei der Hand.
Ich meine den Paulus, von dem wir eben gehört,
der hat da was geschrieben, das gar nicht verkehrt
mir scheint, im Gegenteil, sogar beispielhaft,
wenn er rät, es wär gut zu versuchen, dass man es schafft,
allen in allem entgegenzukommen.
Er selbst hat Christus dafür als Vorbild genommen.

An dieser Stelle sollten wir nicht verzichten,
unseren Blick auf den Hintergrund seines Briefes zu richten,
so können wir umso besser verstehen:
Paulus schickt sich an, auf den Markt zu gehen
mit Menschen aus der Gemeinde Korinth,
die natürlich auch auf korrektes Tun aus sind,
selbst in der Frage, welch Fleisch man kann nehmen.
Mal ehrlich: Sie suchen nun wirklich nicht den bequemen
Weg, sondern wollen alles richtig machen.
Wir finden das heut' vielleicht sogar zum Lachen.
Aber für sie war wichtig zu wissen, woher
das Fleisch kommt, denn wenn es gar wär'
Opferfleisch aus dem Tempel, so wär' das tabu.
Paulus hört ihnen aufmerksam zu
und sagt ihnen dann: Quält euch nicht so sehr,
macht euch das Leben nicht unnötig schwer.
Wenn ihr eingeladen seid, genießt, was der Topf
euch bietet, stoßt keinen vor'n Kopf.

Vor'n Kopf stoßen ist keine Haltung, die gut zu Gesicht
uns als Christinnen und Christen steht, ebenso nicht,
die des Prinzips „Ausschluss“ oder „Distanz“.
Für uns gibt es zwei Aspekte, denen allein Relevanz
wir zumessen sollten: den Menschen und Gott.
Nur die beiden im Blick zu haben, tut Not.
Wenn wir uns daran orientieren,
wird das die Haltung generieren,
die Paulus in der Lesung heut' propagiert
und für die Jesus ein Exempel statuiert.
Menschenfreundlichkeit ist prägend für sie,
Respekt, Toleranz, Liebe, Sympathie,
die allen entgegenzubringen ist;
die sich an der Menschenfreundlichkeit Gottes bemisst.
Von Aussatz und Opferfleisch ist nicht die Rede,
wofür beides steht, fordert jeden und jede
von uns heute genauso wie damals die Leut'.
Sind wir uns dem zu stellen bereit?

Aussatz, Opferfleisch ins Heute transportiert
uns in durchaus vertraute Situationen führt:
Da ist der aus fremder Religion und Kultur,
bei der ist von Glauben gleich gar keine Spur,
ausgetreten aus der Kirche und bei der falschen Partei,
und die da, die scheinen von Normen ganz frei
ihr Leben zu gestalten, und was man von dem da hört,
und die kommt aus Kreisen, in denen man nicht verkehrt!
Sie wüssten bestimmt noch mehr anzufügen,
doch sollen die Beispiele uns hier mal genügen.
Im Kleinen und Großen heißt's da Haltung zu zeigen,
keine Mauern zu bauen, sondern sogar zu übersteigen.
Kann sein, dass wir auch den Konflikt mal riskieren
dadurch, doch was haben wir zu verlieren?
Gut, bei Jesus und Paulus war es das Leben,
die Gefahr seh' ich für uns nicht gegeben.
Die einzige Gefahr, die ich für uns kann wittern,
ist, dass wir an unserm Auftrag vorbeischlittern,

den Nutzen aller zu suchen, das Heil von allen.
Daran haben Gott und die Menschen Gefallen.
Nicht den Anderen seinem Schicksal überlassen,
es könnt sonst sein, dass wir den Moment verpassen,
wo wir als glaubwürdige Menschen, Christen auftreten.
Es reicht halt nicht noch so frommes Reden und Beten,
das interessiert die Menschen um uns herum nicht,
wenn sich unser Handeln nicht an der Liebe ausricht'.
Christlich nennt sich manches Programm, manche Gruppe,
denen die Fremden, die Andren im Endeffekt schnuppe.
Ob das im Sinne dessen, von dem unser Name kommt?
Ob das unserem Sendungsauftrag frommt?
Ich wünsche Ihnen, ich wünsche uns allen,
dass wir mehr und mehr finden Gefallen
unsere christliche Frau, unseren christlichen Mann zu stehn,
uns berühren zu lassen, nicht auf Distanz zu gehen.
Das wär ein Lachen, das wär eine Freud,
und das nicht nur zur Faschingszeit.

 

Maria Gleißl, Pastoralreferentin, Aßling