Gottsucher

Glaubensserie

Der dänische Philosoph und Theologe Sören Kierkegaard stellt die Schriftgelehrten und die Heiligen Drei Könige wie zwei gegensätzliche Typen von Gottsuchern einander gegenüber und schreibt: „Die Schriftgelehrten wussten zu sagen, wo der Messias geboren sein müsste, aber sie blieben ganz ruhig in Jerusalem sitzen.

- Die Heiligen Drei Könige hatten nur ein Gerücht, aber es bewegte sie, die weite Reise anzutreten.“
Gelehrsamkeit ist für die Gotteserkenntnis wichtig und die Heiligen Schriften sind als Orientierung auf dem Weg zu Gott unentbehrlich. Sie fassen die Erfahrungen der Menschen auf ihrem Suchen nach Gott zusammen. Sie zeigen die Wege, wie man Gott finden kann, aber auch die Abgründe, in die man geraten kann, wenn man Gott verliert. Schriftkenntnis und Gelehrsamkeit nützen jedoch nichts, wenn man nicht bereit ist, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Sie können zum Hindernis werden, wenn man dabei vergisst, dass Gott das große Geheimnis bleibt, das niemand durchschauen kann. Wenn man glaubt, im Besitz der Wahrheit zu sein. Die Schriftgelehrten glaubten auch zu wissen, wie der Messias aufzutreten und was er zu verkünden hat. Und sie stellten fest, dass die Lehre dieses Rabbi aus Nazareth mit den Erkenntnissen, die sie aus den Heiligen Schriften gewonnen hatten, nicht übereinstimmt. Man muss bereit sein, aus seiner Selbstsicherheit aufzubrechen.
Die Weisen aus dem Morgenland fühlten sich nicht als Wissende. Sie wussten nur das eine: dass Gott – bei aller Gotteserkenntnis - der immer noch Größere ist. Und dass man Gott, auch wenn man ihm nahe zu sein meint, immer noch ein Stück näher kommen kann. Sie sagen den Gottsuchern: dass man Gott nicht findet, indem man Argumente für ihn zusammenträgt oder über ihn nachdenkt. Er muss bereit sein, eine weite, oft eine Reise auf steinigen und schmalen Wegen anzutreten. Die Bereitschaft aufzubrechen, zeigt, wie ernst es ein Gottsucher mit seinem Gottsuchen meint.
Die Beschäftigung mit den heiligen Schriften allein reicht nicht. Sie hilft vielleicht in der Gottes-Erkenntnis ein Stück weiter, und macht aus einem naiven Gläubigen einen Theologen, der den Glauben erklären und begründen kann. Die Weisen aus dem Morgenland aber wollten nicht nur Gotteserkenntnis, sie wollten Gott näher kommen. Weil sie ihn anbeteten und nicht nur im Kopf, sondern auch im Herzen einen Platz für ihn offen hielten, erkannten sie, dass sich in dem, was man als Gerücht abtat, eine Wahrheit verbirgt.


Walter Rupp, SJ