Ja und Nein

Glaubensserie

13. JANUAR

Der Pädagoge Friedrich Wilhelm Foerster war der Meinung, dass „das ganze spätere Leben von ein paar Ja oder Nein abhängt, die vor dem 21. Lebensjahr gesprochen werden.“ Leider werden diese beiden unscheinbaren Wörter Ja und Nein gering geschätzt und nachlässig gebraucht. Die meisten Menschen machen sich nie klar, was ein halbherzig, hastig oder zur falschen Zeit gesprochenes Ja und Nein an unerfüllbaren Erwartungen wecken oder an Enttäuschungen hervorrufen kann.
Der Jugendliche stellt gewöhnlich vor seinem 21. Lebensjahr die Weichen für die Richtung seines Lebens. So wichtige Entscheidungen wie die Berufs- und Partnerwahl werden meist sehr früh getroffen, in einem Alter, in dem die Konsequenzen kaum zu überblicken sind. Es ist darum nicht verwunderlich, dass sich mancher später sein Ja zu einem Partner vorwirft, für den er sich zu schnell entschieden hat und sich zeitlebens ärgert über sein Nein zu einem Studium oder zu einer Berufsausbildung, die seinen Fähigkeiten entsprochen hätte.
Wer nicht in Zugzwang geraten will, muss - wie ein guter Schachspieler - versuchen, die Züge des Mitspielers vorauszusehen. Gute Entscheidungen kommen nur zustande, wenn man bei seinen Entscheidungen alle Für und Wider und die Überlegungen anderer mitbedenkt, wenn man sich müht, vorauszublicken und einer Entscheidung die Zeit lässt, die sie zum Reifen braucht.
Es gibt kein Ja, kein Nein, das keine Konsequenzen hätte. Die Folgen wirken oft ein ganzes Leben hindurch nach. Man wird nur selten Fehlentscheidungen so korrigieren können, dass kein Schaden zurückbleibt. Wo Korrekturen nicht mehr möglich sind, hat es wenig Sinn, den vergebenen Chancen nachzuweinen. Dann ist es besser, statt zurückzuschauen und sich mit Selbstvorwürfen zu zermürben, das, was nicht mehr zu ändern ist, tapfer hinzunehmen.

Walter Rupp, SJ