Bühnen

Glaubensserie

Bühnen holen gern das ganze Leben mit allen Verirrungen und Konflikten auf die Bretter und ohne Rücksicht darauf, ob jemand daran Anstoß nimmt.

Bühnen sind nahezu allmächtig: Sie können jede Vergangenheit in die Gegenwart versetzen, jeden Zeitgenossen oder bereits Verstorbenen zum Auftritt zwingen. Sie engagieren Sagengestalten, die gar nicht existieren, oder leihen sich aus dem Jenseits wen sie brauchen aus: Engel, Dämonen oder einen der alten Götter.
Auf einer Bühne wird vorgedacht, vorgelebt und vorgestorben. Die Bühne hat einen Einfluss, wie ihn kaum ein Katheder oder eine Kanzel haben kann, und ist imstande, Illusionen zu verbreiten, Köpfe zu verwirren, Gemüter in Erregung zu versetzen, Ärgernis zu erregen und die Moral, vor allem wenn sie morsch ist, zu gefährden. 

Was soll ein Theater bewirken? Das Erbauungstheater versuchte immer, die Schattenseiten des Lebens auszublenden. So hat es die Wirklichkeit entstellt und Langeweile verbreitet. Die moderne Bühne, die von Texten nicht viel hält und sich ganz auf Effekte konzentriert, führt ihre Zuschauer gern vor die Abgründe, die ihnen zum Verhängnis werden könnten. Sie will das Ekelgefühl, sie will schockieren. 

Eine Bühne sollte die Wirklichkeit mit den Ausdrucksformen unserer Zeit darstellen. Sie soll belehren, aufrütteln, bessern und erfreuen. Sie sollte vor allem das Erfreuen nie vergessen.

Walter Rupp, SJ