Bildung

Glaubensserie

Unser Land scheint heute einen Überfluss an Bildungsexperten zu haben, die die Leistungsfähigkeit unserer Bildungsstätten überblicken

Unser Land scheint heute einen Überfluss an Bildungsexperten zu haben, die die Leistungsfähigkeit unserer Bildungsstätten überblicken und genau sagen können, wie leer oder wie vollgestopft die Köpfe heutiger Studenten sind, ja sich zutrauen, das Bildungsniveau eines Landes zu benoten obwohl doch jeder Lehrer weiß, wie schwierig schon die Benotung einer Schulklasse ist. 

Die Bildungsexperten stellten einhellig einen Mangel fest: dass sich Kinder aus unteren Gesellschaftsschichten gegenüber Kindern aus oberen Gesellschaftsschichten im Nachteil befinden. Da stellt sich die Frage: Wie gleicht man dieses Niveaugefälle aus? Wie hebt man Bildung an? Wie weitet man sie aus? Ja, was hat als wissenswert zu gelten? 

Wichtiger als Bildungspläne ist, dass die, die gebildet werden sollen, wieder Hungergefühle mitbringen. In unserer Zeit, in der man Bildung weithin nur erwirbt, damit man höhere Gehaltsansprüche stellen, sein Ansehen und seine Aufstiegschancen verbessern kann, ist eine Einstellungsänderung vonnöten. Wir brauchen wieder ein Milieu, das die geistigen Werte höher schätzt als die materiellen Werte.

Es ist kein Zufall, dass die großen Musiker weithin aus Musikerfamilien kamen und viele große Dichter aus Elternhäusern, in denen Kultur und Wissen etwas galten. Ein Jugendlicher profitiert von dem Klima, in dem er aufwächst. Kein noch so guter Lehrer und kein noch so guter Lehrplan können dieses Klima - das heute selten geworden ist - ersetzen.


Walter Rupp, SJ