Reden

Glaubensserie

Ein kluger Kopf gab auf die Frage, warum er so langsam spreche, zur Antwort: "Weil ich denke. Sie glauben gar nicht, wie sehr das aufhält".

Ein kluger Kopf gab auf die Frage, warum er so langsam spreche, zur Antwort: "Weil ich denke. Sie glauben gar nicht, wie sehr das aufhält". Würden wir nur reden, wenn wir etwas zu sagen haben, es würde sich weithin Stille ausbreiten. Und würden wir uns nur dann äußern, nachdem wir lange nachgedacht und uns mit einer Sache intensiv beschäftigt haben, wir müssten uns oft und lange schweigend anblicken. 

Es wird zu viel und viel zu schnell geredet, so schnell, dass die Gedanken oft Mühe haben, mitzukommen. Und es wird zu oft das gesagt, was jeder sagt und niemand mehr hören möchte. Man kann zwei Arten von Menschen unterscheiden: die einen, die sich schwer tun, ihre Gedanken auszudrücken. Bei denen man eine Stunde braucht, bis man merkt, dass sie etwas zu sagen hätten, und die anderen, die hinter einem wortreichen Geschwätz ihr Unwissen verstecken, sodass man eine Stunde braucht, bis man ihr leeres Gefasel durchschaut. Ihnen sollte man, wie Boethius, der römische Gelehrte, spöttisch erwidern: "Hättest Du geschwiegen, man hätte Deine Dummheit nicht erkannt und Dich für einen Philosophen gehalten". Es gibt das falsche Reden, wo man hätte schweigen sollen, und das falsche Schweigen, wo man stumm bleibt, obwohl ein Wort vonnöten wäre. Und es wird zu oft ins Ohr geflüstert, was von den Dächern gerufen werden müsste.


Walter Rupp, SJ