Werte

Glaubensserie

Eine Gesellschaft, in der allein die Leistung gilt, setzt falsche Maßstäbe.

Wer kann darauf eine Antwort geben, wie sich der Fußballspieler, dessen Wert man auf siebzehn Millionen Euro schätzt, von den Fußball-spielern unterscheidet, für die man nur zehn Millionen Euro bietet? Wie viele Tore muss er mehr geschossen oder verhindert haben? Und wie muss ein Schauspieler seine Rolle spielen, dass er Anspruch auf eine Super-Gage hat? Man kann den Wert eines Menschen doch nicht nach der Schnelligkeit seiner Füße, nach seiner Fingerfertigkeit oder gar nach der Schlag-Kraft seiner Fäuste messen! Wenn der Wert des Menschen von seiner Leistungsfähigkeit abhinge, wären Kranke und Behinderte, die auf Hilfe angewiesen sind, die weniger wertvollen Menschen. 

Eine Gesellschaft, in der allein die Leistung gilt, setzt falsche Maßstäbe. Denn wenn nur das Messbare gilt, kommen die geistigen Werte, die man nicht messen kann, zu kurz. Banker werden heute oft bei den Werteschöpfern eingereiht, obwohl sie Werte nur verwalten und keine Werte schaffen. Ein Werteschöpfer ist nur der, der die Werte vermehrt: Der Arzt, der heilt; der Lehrer, der Wissen weitergibt; der Erfinder, der Neues entdeckt, oder der Künstler, der die Literatur, die Musik, die Malerei mit neuen Werken bereichert und jeder, der mit seiner Tätigkeit anderen nützt und dazu beiträgt, dass die Gestalt der Welt verbessert wird.


Walter Rupp, SJ