Musikinstrumente

Glaubensserie

Musikinstrumente wollen nicht nur Töne von sich geben.

Eine Flöte tut sich leicht, sich in die höchsten Tonlagen zu erheben. Man schaut ihr gerne zu, wie sie sich dort, gleich einem Seiltänzer, elegant und leichtfüßig bewegt. Cellos sind dagegen immer ernst und treten gern im schwarzen Anzug auf. Weil sie Gefühle schnell in Wallung bringen können, nimmt man sie gern zu Beerdigungen oder feierlichen Anlässen mit. Gitarren lassen sich, weil sie von Natur aus eine Wanderlust mitbekommen haben, gern in Gesellschaft mitnehmen, um dort eine gute Stimmung zu verbreiten. Leider gehen sie mit jedem mit und werden häufig von denen missbraucht, die auch noch schlecht singen. Trompeten stellen sich gern selbstbewusst in den Mittelpunkt, und tun alles, die gesamte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Und Orgeln sind so sehr von sich eingenommen, dass sie neben sich meist niemand dulden, nicht einmal den Kirchengesang und oft nicht den Chor und das Orchester. 

Konzert-Flügel und Pianos sind überaus empfindliche Kreaturen, die darunter leiden, wenn Musikschüler oder Nichtskönner auf ihren Tasten herum hämmern wie auf einer Schreibmaschine. Dann schreien sie auf und winden sich vor Schmerzen. Läge es an ihnen, würden sie sich nur von Künstlern berühren lassen, die so sensibel sind, als hätten sie in jedem ihrer Finger eine Seele. 

Musikinstrumente wollen nicht nur Töne von sich geben. Sie wollen mehr: dass sie ihren Charakter zeigen dürfen und was in ihnen steckt. Sie sind enttäuscht, dass man sie häufig nur gebraucht, die Stille zu verscheuchen.


Walter Rupp, SJ