Betteln

Glaubensserie

Jeder Bettler, der an einer Straßenecke steht und seinen Hut oder seine Hand hinhält, um ein paar Groschen zu erhalten, bringt den Vorübergehenden, der nicht herzlos sein will, in Verlegenheit.

Jeder Bettler, der an einer Straßenecke steht und seinen Hut oder seine Hand hinhält, um ein paar Groschen zu erhalten, bringt den Vorübergehenden, der nicht herzlos sein will, in Verlegenheit. Denn wer möchte sich gegenüber einem in Not Geratenen verhalten wie der Priester oder Diakon im Samaritergleichnis und als hartherzig gelten? 

Aber woran kann ein Vorübergehender, bei all denen, die um Hilfe bitten, in einem Augenblick erkennen, ob und in welche Not er geraten ist? Geriet er in Not, weil er mit Geld nicht umgehen kann, dann werden ihm auch die Spenden nicht weiter helfen? Möchte er sich der Mühe, die mit dem Gelderwerb verbunden ist, nicht unterziehen oder seine Situation auf bequeme Weise etwas aufbessern? Ist seine Not nicht vorgetäuscht? Hat er sich für’s Betteln entschieden, weil er einer Wiedergutmachung ausweichen möchte? Ja, kann die Not, die hinter seiner Not steckt, überhaupt gelindert werden? 

Verlangt der Vorübergehende zu viel, wenn er wissen möchte, gegen welche Not er helfen soll? - Im Samaritergleichnis ist die Not des von Räubern Überfallenen klar, er braucht hier und jetzt Hilfe, da bleiben keine Zweifel. da gibt es nichts zu fragen. Aber bei so vielen Bettlern bleibt die Frage, um welche Not es sich handelt, ohne Antwort. 

Die vielen Vorübergehenden können nicht, wie die beiden Jünger, die auf dem Weg zum Tempel angebettelt werden, von sich sagen: „Gold und Silber habe ich nicht!“ Aber sie sollten sagen können: „Was ich von meiner Habe erübrigen kann, gebe ich den Hilfswerken, von denen ich glaube, dass sie besser als ich, entscheiden können, wie man Not lindert. Nehmt mir nicht übel, wenn ich das blinde Vertrauen, das Ihr erwartet, nicht aufbringen kann!“


P. Walter Rupp, SJ