Generationskonflikt

Glaubensserie

Dass sich die Generationen aneinander reiben, wird nie zu verhindern sein.

Friedrich Hebbel brachte die Ursachen für den Generationskonflikt auf den Punkt. Er stellt nüchtern fest: „Der Jugend wird oft der Vorwurf gemacht, sie glaube immer, dass die Welt mit ihr erst anfängt. Aber das Alter glaubt noch öfter, dass mit ihm die Welt aufhört.“ Da stoßen zwei verschiedene Sichtweisen, zwei verschiedene Gemütsverfassungen aufeinander und reiben sich: Auf der einen Seite das Gefühl des Aufbruchs und auf der anderen Seite ein Hauch von Weltuntergangsstimmung. 

So war es immer: Die Jugend neigt dazu, blauäugig in die Welt zu sehen, Gefahren zu unterschätzen, und sich zu überschätzen. Sie ist sich allzu sicher, dass sie über die Schwierigkeiten, über die andere stolperten, nicht stolpert und das, was andere nicht meisterten, meistert. Und sie lässt sich oft aus Übermut dazu verleiten, die Ordnung auf den Kopf zu stellen. 

Aber auch die Erwachsenen bringen Konfliktstoff mit. Die Unbeweglichkeit, sich von der Vergangenheit, von ihren – oft überholten - Lebensgewohnheiten und ihren oft unbrauchbar gewordenen Erfahrungen zu lösen, sich auf eine andere Zeit einzulassen und ihre Vorstellungen nicht immer zum Maßstab für andere zu machen. 

Dass sich die Generationen aneinander reiben, wird nie zu verhindern sein. Der englische Schriftsteller Priestley hat das so ausgedrückt: „Es gibt alte und junge Esel. Die jungen sind gesünder." – Sie haben deshalb die Zukunft auf ihrer Seite. Leider lösen fast immer junge Esel alte Esel ab. Es ändert sich durch den Wechsel meist nicht viel. Und es sollte doch so sein, dass unverbrauchte, optimistisch eingestellte junge Menschen, die Aufgaben der Alten übernehmen, die nicht mehr die Kraft dazu haben, um sie mit neuen Ideen und neuen Impulsen weiterzuführen.


P. Walter Rupp, SJ