Fan

Glaubensserie

Zuschauer sind gewöhnlich kühle Beobachter.

Zuschauer sind gewöhnlich kühle Beobachter. Sie verhalten sich bei Veranstaltungen passiv, versuchen das Husten zu unterdrücken und mit großer Aufmerksamkeit eine Darbietung aufmerksam zu verfolgen. Sie wahren Abstand zu den Künstler, lassen sich nicht so leicht begeistern und spenden Beifall, wenn ihnen eine Pointe, eine Szene gelungen erscheint. Ihre Begeisterung hält sich meist in Grenzen. 

Der Fan steht hinter seinem Idol und hinter seiner Mannschaft und identifiziert sich mit ihr. Er zeigt schon Begeisterung, ehe sie mit ihrer Darbietung beginnt. Und er zeigt nicht nur momentane Gefühlsausbrüche. Sie halten an. Er befindet sich wie in einem Fieber. Er leidet mit, wenn seiner Mannschaft Spielzüge nicht gelingen. Ihre Niederlagen sind auch seine Niederlagen. Und über Tore, die sein Club geschossen hat, jubelt er, als hätte er sie geschossen. 

Ja er glaubt sogar, dass die Tore ohne seine Unterstützung nie gefallen wären. Er glaubt, dass es ihm gelungen ist, durch seine Zurufe die Mannschaft, die schon müde geworden war und den Glauben an den Sieg verloren hatte, wieder aus ihrer Lethargie zu reißen. Ihre Siege feiert er als seine Siege. Er hat das Spiel gewonnen und geht als Sieger vom Platz. 

Begeisterung gibt es heute nur noch auf Fußballplätzen, in Rockkonzerten und da und dort bei den Charismatikern und bei den Kirchentagen. Sonst steht der Stimmungsbarometer auf „cool“.


P. Walter Rupp, SJ