Andersgläubige

Glaubensserie

Den Gläubigen anderer Konfessionen begegneten Christen wie Heiden, Zöllnern oder Sündern

Die getrennten Christen machten es sich lange Zeit hindurch zu einfach. Den Gläubigen anderer Konfessionen begegneten sie wie Heiden, Zöllnern oder Sündern und gebrauchten - „ob gelegen oder ungelegen“ - Bibelworte wie Pfeile gegen sie. Ja, sie beschimpften sie als ‚Antichristen’, ‚vom Bösen Geist Besessene’, als ‚Narren’ oder ‚Esel’. Mit diesen hässlichen Familienzwistigkeiten gaben sie ein schlechtes Beispiel. 

Endlich hissen wir die weiße Fahne. Langsam schleifen wir das längst museumsreife, mittelalterliche Mauerwerk, riegeln die Tore unserer Burgen auf, lassen die Zugrücken herab und tauschen Unterhändler aus. Die Kirchenmänner treffen sich, wo sich die Gelegenheit bietet, und sagen sich dabei nette Worte. Wir aber, das Fußvolk, schauen interessiert und auch gelangweilt zu. Ökumene wurde noch nicht unser Problem, solange wir noch nicht darunter leiden. Noch befassen wir uns zu sehr mit unserer unbewältigten Vergangenheit und erzählen uns die jedermann bekannten Fehler unserer christlichen Ahnen, oder halten uns in Überlegungen auf, die für unsere gemeinsame Zukunft ohne Nutzen sind: dass wir im Unterschied zu den anderen, die sich zu offen gegenüber den Strömungen der Zeit verhalten, eben bibeltreuer und traditions-bewusster sind.

Solche Vergleiche führen nicht weiter, sondern erlauben uns nur, dass wir bleiben wie wir sind. Für unser Näherkommen brauchen wir ein ökumenisches Gebot: Du sollst von den selbstgeschnitzten Bildern lassen: ihre Werte, ihren guten Willen sehen und ihre Andersartigkeit respektieren. Wer es mit der Ökumene ernst meint, kommt nicht umhin, sich mit den Einwänden der anderen zu befassen und zu fragen, warum sie das, was wir für richtig halten, anders sehen.


P. Walter Rupp, SJ