Warum

Glaubensserie

Der Philosoph Friedrich Nietzsche hat etwas Wichtiges gesagt: „Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie.“

Der Philosoph Friedrich Nietzsche hat etwas Wichtiges gesagt: „Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie.“ Das Wissen um eine Aufgabe, die einem auferlegt wurde, oder die man sich selbst gestellt hat, macht erst fähig, seine Kräfte zu mobilisieren und über sich hinauszuwachsen. Das Warum bewahrt den Menschen davor, sich in Nebensächlichkeiten zu verlieren oder gar zu resignieren. Wer erstrebenswerte Ziele vor Augen hat, nimmt ihretwegen gerne Entbehrungen auf sich und wird mit Enttäuschungen oder Widerständen fertig, vor denen andere kapitulieren. Das Warum verleiht ungeahnte Kräfte. 

Umgekehrt gilt: Wer ohne Ideale auszukommen sucht, wer den Hafen nicht kennt, den er ansteuern soll, wird bald feststellen, dass die lebensbejahende Einstellung, die Lust etwas zu gestalten und die Einsatzbereitschaft schwinden. Man kann sagen, wer anfängt, Sinn und Wert des Lebens zu bezweifeln, dessen Seele wird erkranken. Wer Sinn und Wert des Lebens aber sieht, dessen Seele wird aufblühen.

Da der Mensch im Unterschied zu den anderen Lebewesen keine sicheren Instinkte hat, die ihm das Ziel zeigen und ihn drängen, es anzustreben, muss er sich selbst Ziele setzen. Er muss Verstand und Sinne schärfen, dass er seinen, den ihm gemäßen Weg erkennt und geht.

Wer kein Warum zum Leben hat, wird unfähig sein, Widerstände zu ertragen. Die weit verbreitete Unzufriedenheit, an der so viele Menschen heute leiden, hat selten bloß äußere Gründe, sie kommt fast immer von Innen. Ohne Ziele durch das Leben gehen ist wie ein Herumtappen im Nebel. Wir Menschen brauchen Ideale. Sie sind - so wie die Sterne für den Seemann – für jeden unentbehrlich. Auch wenn sie noch so fern und unerreichbar sind, helfen sie uns doch, dass wir uns orientieren können und die Richtung nicht verlieren.


P. Walter Rupp, SJ