Journalismus

Glaubensserie

Zeitungs-Redaktionen müssen, wenn sie ihre Auflage halten oder steigern möchten, für die verschiedenen Käuferwünsche die Regale füllen

Politiker muss man in demokratischen Gesellschaften nur eine Legislaturperiode ertragen, Journalisten aber kann man nicht abwählen. Der Journalismus wurde unentbehrlich wie die Wirtschaft: Solange Menschen nach immer neuen, noch interessanteren und noch aufregenderen Informationen verlangen, gilt für jede Redaktion, was für jedes Kaufhaus gilt: das Gesetz von Nachfrage und Angebot. 

Zeitungs-Redaktionen müssen, wenn sie ihre Auflage halten oder steigern möchten, für die verschiedenen Käuferwünsche die Regale füllen: Der Leser greift nach den Grundnahrungsmitteln, den täglichen Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport. Er erwartet eine reiche Auswahl an gut abgepackter Ware, die man nur aufzuwärmen braucht. Er sucht Nahrungsergänzungs- und Genussmittel: Veranstaltungshinweise und Regionales und nimmt auch gerne die eine oder andere Feinkostware mit: ein Streiflicht, eine Glosse. Schließlich deckt er sich mit verbilligten Sonderangeboten ein: mit Gerüchten, die er wie Salzgebäck, und mit Klatsch, den er wie Schokoriegel konsumiert, um die Langeweile zu vertreiben. 

Auch Nachrichten und Kommentare können ranzig und ungenießbar werden, ihre Haltbarkeit ist begrenzt. Journalisten sollten deshalb stets auf das Verfallsdatum achten und, das, was der Verbraucher nicht haben will, aussortieren und durch frische Ware ersetzen.


P. Walter Rupp, SJ