Saulus

Glaubensserie

Das Erlebnis des Saulus vor Damaskus, hätte bei jedem anderen einen Nervenzusammenbruch ausgelöst

Das Erlebnis des Saulus vor Damaskus, hätte bei jedem anderen einen Nervenzusammenbruch ausgelöst und eine intensive psychiatrische Behandlung mit einem ausgedehnten Erholungsurlaub in einem ruhig gelegenen Kurort notwendig gemacht. Es war ihm immerhin der erschienen, dessen Namen er vergessen machen, und dessen Anhänger er ausrotten wollte. Er aber stellte von einem Licht geblendet, noch am Boden liegend, die Frage: "Herr, was willst du, dass ich tun soll?" 

Saulus, der Großinquisitor und gesetzestreue Pharisäer, schaffte es, seinen Hass gegen die Nazarener-Sekte abzulegen und ein Jünger Jesu zu werden, der mehr als jeder andere zur Ausbreitung des Christentums beitrug. Paulus, der zeitlebens wegen der Verfolgungen, die er gegen die jungen Christengemeinden inszeniert hatte, Schuldgefühle hatte und sich selbst als Missgeburt bezeichnet, ließ sich nicht von Schuldgefühlen niederdrücken. Vor allem pflegte er sie nicht, sondern gebrauchte sie wie einen Stachel, der ihn zu immer größerem Eifer antrieb. Die Art, wie er seine Vergangenheit zu bewältigen verstand, macht ihn zum Vorbild aller Konvertiten. 

Für ihn war Konversion mehr als ein Konfessionswechsel vom Judentum zum Christentum. Als er begann, ein neuer Mensch zu werden, versuchte er nicht, den alten Menschen auszuziehen wie ein Gewand. Er tat alles, die Talente, die er von Natur aus besaß, und alle Werte, die ihm sein Volk mitgab, ins Christentum mitzunehmen und es auf diese Weise zu bereichern.


P. Walter Rupp, SJ