Demokratie

Glaubensserie

Demokratische Gesellschaften kommen immer nur in Torkel Bewegungen voran, weil sie versuchen, zugleich in jede Richtung einen Schritt zu tun.

Demokratische Gesellschaften kommen – wenn überhaupt – immer nur in Torkel Bewegungen voran, weil sie versuchen, zugleich in jede Richtung einen Schritt zu tun. Möchte ein Politiker das Gesundheitssystem reformieren, fügt ein anderer hinzu: Aber die Beitragszahler dürfen dabei auf keinen Fall belastet werden. Ein Dritter wird stattdessen eine Erweiterung des Kindergartenangebotes vorschlagen. Ihm wird ein anderer entgegenhalten: Das bringe nichts, wenn man nicht auch besser ausgebildete Kindebetreuerinnen einstelle. Daraufhin wird man über ihn herfallen: ob er denn nicht wisse, dass eine gute Schulbildung noch wichtiger sei und darauf aufmerksam machen, wie dringend kleinere Klassen sind. Dem wird einer zynisch entgegenhalten, dass die beste Ausbildung nichts nütze, wenn Jugendliche am Ende keine Lehrstelle fänden, man müsse endlich das Lehrstellenangebot erweitern. 

In demokratischen Parlamenten ist es üblich, jede Forderung durch Einwände zu blockieren, durch Einschränkungen abzumildern oder durch noch radikalere Forderungen zu überbieten, und Anträge durch Gegenanträge zu entkräften. Jeder Abgeordnete müht sich, nachzuweisen, dass man eben gefordert hat, was von ihm schon seit Jahren gefordert wird, und die Probleme, von denen man jetzt spreche, wären längst gelöst, hätte man seine Vorschläge nicht verworfen.

Jede Regierung beteuert stets, dass man auf ihre Leistungen -, die Opposition dagegen, dass man auf das, was verhindert werden konnte, stolz sein könne.


P. Walter Rupp, SJ