Sport

Glaubensserie

Weil ein Beruf, den nur der ausüben kann, der Höchstleistungen bringt, nicht lebenslang ausgeübt werden kann, schickt man Berufssportler früh in Rente.

Die Athleten der Antike kämpften noch in den Arenen, nur eines Siegeskranzes und des Ruhmes wegen. Die Ritter des Mittelalters gaben sich zufrieden, wenn sie bei den Turnieren ihre Geschicklichkeit beweisen und dabei Bewunderung einheimsen konnten. In Meyers Konversationslexikon aus dem Jahr 1887 war noch zu lesen, es sei ein wesentliches Merkmal des Sportes, dass dessen Ausübung nicht um des Gelderwerbes wegen geschieht. 

Noch gibt es Sportarten, bei denen nichts oder nicht viel zu verdienen ist. Aber die Sportler, die Sport als Hobby und aus reinem Spaß betreiben, sind inzwischen als eine Rasse von Exoten vom Aussterben bedroht. 

Unsere Zeit hat den Sport als lukrative Erwerbsquelle entdeckt und zu einem begehrten und hoch angesehenen Beruf gemacht, auf den man die Aufmerksamkeit von Millionen Voyeuren lenken kann. 

Weil ein Beruf, den nur der ausüben kann, der Höchstleistungen bringt, nicht lebenslang ausgeübt werden kann, schickt man Berufssportler früh in Rente. Der Sportler von heute begibt sich, wenn er eine Halle oder den Rasen eines Stadions betritt - wie der Schauspieler - auf eine Bühne. Er will Artist und Unterhalter sein und für seine Leistung, wenn sie als überdurchschnittlich bewertet wird, auch überdurchschnittliche Entlohnung.


P. Walter Rupp, SJ