Gedankenfreiheit

Glaubensserie

Gute Ideen sind wertlos. Entscheidend ist doch, wer sie hat.

Gute Ideen sind wertlos. Entscheidend ist doch, wer sie hat. Nicht jeder erkennt ihren Wert und weiß etwas damit anzufangen. Ein Schlächter, sagt ein chinesisches Sprichwort, denkt an Schweine, wenn er von Ideen spricht. Und Demagogen reden stets vom Wohl des Volkes, wenn sie ihre Macht meinen und bringen die schönsten und erhabensten Ideen in Verruf.

Allzu oft wurden in der Vergangenheit hohe Ideale missbraucht? Die Französische Revolution rechtfertigte mit dem Ruf nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, den Einsatz der Guillotine. Und die menschenverachtenden Gewaltherrscher der Neuzeit schläferten mit den großen Worten: Aufklärung, Fortschritt, Volksgemeinschaft und Gerechtigkeit ganze Völker ein, um sie zu unterjochen.

Die Ideale: Bildung, Fortschritt, Humanität, Solidarität und Menschenwürde gehören nicht als Werbeslogans auf Plakate, nicht als Billigware auf den Markt und schon gar nicht in Kinderhand, weil Sprengstoff in ihnen steckt. Es lässt sich damit leicht zündeln. Man sollte sie nur an Kenner weitergeben, die deren Wert zu schätzen wissen und wissen, dass man sie sorgsam pflegen muss. Für den Erwerb großer und brisanter Worte sollte man, wie bei einem Waffenschein, den Nachweis fordern, dass einer damit umgehen kann, damit kein Unheil angerichtet wird. 

Wir achten viel zu sehr darauf, was einer sagt, und sollten vielmehr darauf achten, wer es sagt und wie er es meint, und weniger auf die Worte als auf den Menschen sehen.


P. Walter Rupp, SJ