Forscher

Glaubensserie

Es ist erstaunlich, was so mancher Forscher, der nahezu nichts in Händen hatte, aus dem kümmerlichsten Quellenmaterial herauszuholen verstand,

Es ist erstaunlich, was so mancher Forscher, der nahezu nichts in Händen hatte, aus dem kümmerlichsten Quellenmaterial herauszuholen verstand, weil er Phantasie besaß, einen scharfsinnigen und regen Geist, und den zähen Willen, alles andere hintanzustellen, und sich durch keine Widerstände entmutigen zu lassen, um dieses Geheimnis endlich zu lüften, vor dem so viele Forscher kapitulierten. 

So gelang es Grotefeld, einem deutschen Gymnasiallehrer, an Hand einiger persischer Königsnamen die Keilschrift, die man lange Zeit für eine bloße Verzierung gehalten hatte, zu entziffern. Und Champollion schaffte es, das Rätsel der Hieroglyphen, das als unlösbar galt, zu lösen. Was viele vor ihm vergeblich versucht hatten, gelang ihm mit Hilfe eines Steines aus der Ptolemäerzeit. Er konnte aus einer Inschrift in ägyptischer und griechischer Sprache, die man bisher als eine Bilderschrift gesehen hatte, das gesamte Alphabet rekonstruieren, und aus diesen kümmerlichen Restbeständen sogar die Grundzüge einer Grammatik entwerfen. So hat "ein einziger Mann" - meint der Ägyptologe Adolf Erman - "in einem Jahrzehnt ein ganzes Volk, das vergessen war, wieder in die Weltgeschichte eingeführt.“ 

Die Wissenschaft und Forschung wurden nie von den Sammlern vorangebracht, sondern immer von denen, die sich Mühen abverlangten und ihre Phantasie und ihren Geist als Forschungsinstrumente zu gebrauchen wussten.


P. Walter Rupp, SJ