Verhaltensweisen

Glaubensserie

Wir Menschen zeigen häufig merkwürdige Verhaltensweisen

Wir Menschen zeigen häufig merkwürdige Verhaltensweisen, weil wir dem, was konsequent und naheliegend wäre, gern ausweichen. Ständen wir zum Beispiel vor zwei Türen: vor einer Tür mit der Aufschrift: „Vortrag über den Himmel!“ und vor einer anderen Tür, die die Aufschrift trägt: „Eingang zum Himmel!“ – die meisten würden sich gewiss entscheiden, in den Vortrag zu gehen, trotz der Erfahrung, die jeder schon häufig machen konnten, dass Vorträge nur selten interessant sind und schon gar nicht Glücksgefühle hervorrufen. Wir Menschen ziehen gern das Reden gegenüber dem vor, was für das Erreichen eines Zieles getan werden müsste.

Für diese Verhaltensweise gibt es einen Grund: Nach den Vorstellungen, die über den Himmel gewöhnlich verbreitet sind, halten die meisten einen Vortrag darüber für das geringere Übel. Mit dem Wort „Himmel" verbinden sie meist die Vorstellung von unendlicher Langweile. Sie fürchten, an einen Ort zu kommen, an dem man sich nicht mehr frei bewegen darf, sondern wie ein „Heiliger" benehmen muss. Ja, dass dort vielleicht eine klösterliche Ordnung herrscht und man gezwungen wird, Gott ohne Unterbrechung anzubeten und an den Freuden, an denen vielleicht Engel Gefallen finden, Gefallen finden soll. Vor allem fürchten sie, dass man dann nicht mehr der sein kann, der man sein möchte.

Mensch hat Mühe zu begreifen, weshalb er aus dieser Welt, in der er – wenn man nur einige Mängel beheben könnte - am liebsten bleiben möchte, aufbrechen und an einen Ort gelangen soll, den er zuvor gern einmal gesehen hätte. Er wird den Wunsch nach einer innerweltlichen Glückseligkeit erst dann aufgeben, wenn er begriffen hat, dass unsere Welt die unstillbare Sehnsucht, die in jedem steckt, niemals erfüllen kann.


P. Walter Rupp, SJ