Gesellschaft

Glaubensserie

Der Staat sollte sich als Knochengerüst verstehen

Eine Gesellschaft ist weit mehr als nur ein höchst kompliziertes Gebilde, das durch Organisation zusammengehalten wird. Eine Gesellschaft gleicht vielmehr einem Organismus, der nur gesund und lebenstüchtig bleibt, wenn alle Glieder, die aufeinander angewiesen sind, zum Wohl des Ganzen zusammenwirken. 

Der Staat sollte sich als Knochengerüst verstehen, und alles wie ein Skelett zusammen halten. Mit dieser Aufgabe wäre er ausgefüllt und sollte sich hüten, mehr sein zu wollen. Die Wirtschaft lässt sich mit dem Nervensystem vergleichen. Sie hat den Bedarf an Kalorien für den Organismus, das nötige Fett und den nötigen Fleischbedarf zu liefern. Der Wissenschaft obliegt es, den Blutkreislauf in Gang zu halten. Er braucht immer neuen Sauerstoff, damit es nicht zum Kollaps kommt. Die Kunst soll vor allem Auge und Ohr erfreuen, sie hat die Rolle der Sinnesorgane zu übernehmen. Die Philosophie ist das Gehirn. Sie muss die Gesellschaft vor Geistlosigkeit und Schwachsinn schützen. Ohne Technik fehlten der Gesellschaft Arm und Hand. Und ohne Religion würde ihr die Seele fehlen, und damit Ziel und Sinn.

Auch Gesellschaften können - wie Individuen - an Sehstörungen, Allergien, erhöhtem Cholesterinspiegel, an falscher Ernährung oder Bluthochdruck leiden. Es wäre darum angebracht, wenn auch sie sich von Zeit zu Zeit aus Vorsorge einem Gesundheits-Check unterziehen würden, damit die Krankheitsherde rechtzeitig entdeckt werden und dagegen rechtzeitig etwas unternommen werden kann.


P. Walter Rupp, SJ