Hippokratischer Eid

Glaubensserie

Hippokrates, der als Begründer der wissenschaftlichen Medizin gilt, formulierte vor circa 2400 Jahren die für jede ärztliche Tätigkeit gültigen Grundsätze:

Hippokrates, der als Begründer der wissenschaftlichen Medizin gilt, formulierte vor circa 2400 Jahren die für jede ärztliche Tätigkeit gültigen Grundsätze: Er empfahl den Ärzten, bei allen Göttern und Göttinnen einen Eid zu leisten, dass sie die Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit der Patienten als oberstes Gebot ihres Handelns achten, ihre ärztliche Kunst – auch unter Bedrohung - nicht in Widerspruch zu den Geboten der Menschlichkeit anwenden und das, was sie während der Behandlung sehen oder hören, als Geheimnis bewahren. 

Einen Eid fordert man auch von Soldaten, von Beamten und Politikern, aber meist ohne klargestellt zu haben, welche Werte sie verteidigen, welchem Staat sie dienen müssen, und wie beschaffen das Wohl des Volkes sein soll, für das sie eintreten wollen. Es wäre auch angebracht, wenn Erzieher, ehe man ihnen Kinder anvertraut, ihre Erziehungsziele definierten und mit einem Eid bekräftigten: dass sie den Charakter der ihnen anvertrauten Kinder nicht nach ihren Vorstellungen formen, sondern nur Hebammendienste leisten möchten. Und Journalisten sollten sich verpflichten, dass sie der Wahrheit dienen und die Prediger, dass sie nie sich und ihre Einfälle verkündigen werden, sondern nur den, für den sie stellvertretend stehen. 

Eide sollten nicht nur deklamatorischen Charakter haben: man wolle für einen nicht weiter umschriebenen Wert eintreten, sondern an die Grundsätze erinnern, die heilig und unantastbar sind.


P. Walter Rupp, SJ