Menschheits-Geschichte

Glaubensserie

Geschichte ist die Verwirklichung von Ideen und das Ergebnis gescheiterter oder gelungener Taten.

Shakespeare nannte die Geschichte ein langweiliges Märchen, das von einem Idioten erzählt wird. Er, der große Dramatiker, nahm daran Anstoß, dass die Geschichtsschreiber die Geschichte, dieses einzigartige und spannungsreiche Drama, so wenig dramatisch darzustellen verstehen und den Eindruck erwecken, es gehe um die immer gleichen, sich stetig wiederholenden Ereignisse: um Feldzüge, Aufstände, Eroberungen oder Unterdrückung. Ja, Geschichte werde nur von einigen Helden gemacht, die bewundernswerte oder verabscheuungswürdige Taten vollbringen: von Fürsten, Feldherren oder Revolutionären. 

Geschichte ist die Verwirklichung von Ideen und das Ergebnis gescheiterter oder gelungener Taten. Sie entsteht aus dem Zusammenwirken vieler. "Wer baute das siebentorige Theben“, fragt Bert Brecht: „In den Büchern stehen die Namen von Königen. Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?“ Und er fährt fort: „Der junge Alexander eroberte Indien. Er allein? Cäsar schlug die Gallier. Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich? Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte untergegangen war. Weinte sonst niemand?“ Die Geschichtsschreibung hat einen Nachteil: Sie erinnert sich nur an die, die vorne auf der Bühne standen, und vergisst die vielen, die nie ins Rampenlicht getreten sind, aber die Aufführung erst ermöglicht haben. 


P. Walter Rupp, SJ