Sprache

Glaubensserie

Vielleicht können Tiere weit mehr ausdrücken als was ihnen der Mensch zutraut.

Dank der Verhaltensforschung wissen wir, auf wie verschiedene Weise die Tiere sich verständigen: durch Duftstoffe, stumme Signale, Summtöne oder Laute. Aber was drücken Frösche mit dem Quaken aus, Schweine mit dem Quietschen, Pferde mit dem Wiehern oder Bienen mit dem Summen? Können Tiere Gefühle weitergeben? Kennt die Tierwelt Dialekte? Stehen Wanderratten, die in andere Reviere eingedrungen sind, plötzlich vor Verständigungsproblemen? Und gibt es Vögel, die falsch singen?

Vielleicht können Tiere weit mehr ausdrücken als was ihnen der Mensch zutraut. Dennoch wird man die ausgeformtesten Tierlaute nicht mit der menschlichen Sprache vergleichen und Sprache nennen dürfen, weil auch das intelligenteste Tier unfähig ist, Welt und Dinge zu beschreiben und eigene Erfahrungen nicht weitergeben kann.

Die Schöpfungsgeschichte sagt von Adam, dass er im Paradies den Dingen einen Namen gab. Mit dem Namengeben hat der Mensch die Herrschaft über die Dinge angetreten und sich darüber gestellt. Aber gerade das Benennen-können fällt heute vielen schwer. Sie scheuen die Mühe, es zu üben und zu pflegen. Sie decken das Eigentliche, damit es nicht zur Sprache kommt, mit einem Wortschwall zu. Sie hüllen sich in Sprechblasen ein, weil sie nichts zu sagen haben, oder greifen zu dem Wort, das ihnen gerade einfällt, wie einer, der eine fremde Sprache nicht beherrscht und irgendetwas plappert, weil er der Peinlichkeit entgehen möchte, das Stummsein auszuhalten.

Das Wort ‘cool’ ist zurzeit dabei, alle anderen Adjektiva zu verdrängen. Man redet von einem ‘coolen’ Fahrrad, einem ‘coolen’ Vortrag oder einem ‘coolen’ Fest. Wer immer nur zum nächstbesten, leicht abrufbaren Wort greift und sich nicht der Mühe unterzieht, den passenden Begriff zu finden, dessen Sprachschatz wird verarmen. Es ist nicht gleichgültig, wie man etwas benennt. Jeder offenbart mit dem Wortschatz, den er gebraucht, wie geordnet oder wie verworren, wie oberflächlich oder wie reif seine Gedanken sind.


P. Walter Rupp, SJ