Berufe

Glaubensserie

Ungeliebte Berufe gibt es noch immer. Und manche Berufe werden, weil man sie überschätzt, beneidet.

Ungeliebte Berufe gibt es noch immer, Berufe, die wenig geachtet werden, und die einer nur ergreift, wenn ihm keine andere Wahl bleibt. Und manche Berufe werden, weil man sie überschätzt, beneidet: Filmschauspieler, die – wie es scheint - von Millionen Menschen ‘angebetet’ werden; Manager, die hohe Gewinne erzielen; Sportler, die Rekorde brechen und Medaillen erringen; Popstars, die eine ausverkaufte Messehalle zum Toben oder Weinen bringen; Moderatoren, die sich darauf verstehen, Gesprächspartnern Geständnisse, die sie nie machen wollten, zu entlocken und Showmaster, die mit lockeren Sprüchen Heiterkeit erzeugen und die Langeweile wie Staub wegfegen.

Vielleicht sollte jeder einmal – wenigstens für kurze Zeit - den Beruf eines anderen ausüben: Der Professor sollte einmal von seinem Katheder heruntersteigen, um als Handwerker tätig zu sein; der Boss einer großen Firma sein Chefbüro verlassen, und es mit dem Arbeitsplatz eines Angestellten vertauschen; der Beamte, versuchen, so ungesichert wie frei schaffende Künstler zu leben; und der Unternehmer, der sich einmal nicht mit leblosen Waren und Maschinen, sondern mit den Nöten und Sorgen der Menschen befassen müsste, würde erfahren, was der Beruf des anderen dem anderen abverlangt. Er käme nicht umhin, ernüchtert festzustellen, dass er Mühe hätte, dessen Platz zufriedenstellend auszufüllen. Vielleicht wäre das ein Rezept, wie man die eigene Tätigkeit weniger, und die des anderen höher schätzen lernt. 


P. Walter Rupp, SJ