Pastoral einst und heute

Glaubensserie

Die Jünger Jesu begannen ihre pastorale Tätigkeit - wie sie es auf dem See Genezareth gewohnt waren: mit einem Boot und einem Netz.

Die Jünger Jesu begannen ihre pastorale Tätigkeit - wie sie es auf dem See Genezareth gewohnt waren: mit einem Boot und einem Netz. Sie fuhren bei jedem Wetter, bei Wind und Regen, oft auch in der Nacht, wenn ihnen die Gelegenheit für den Fischfang günstig schien, auf den See hinaus. Die Jünger der Jünger aber stiegen bald nicht mehr in das alte, vom Sturm arg ramponierte Boot. Sie besorgten sich wind- und regengeschützte Kutter an, die ihnen die Arbeit erleichterten und ihnen auch die Möglichkeit boten, nach getaner Arbeit auszuruhen.

Eines Tages aber kamen die Jünger der Jünger auf die Idee, die unbequemen Kutter umzubauen und daraus einen ansehnlichen Luxusdampfer zu machen. Sie statteten ihn mit Kabinen erster, zweiter und dritter Klasse aus und taten alles, denen, die das Schiff benutzen wollten, Komfort zu bieten und sich wohl fühlen konnten. Schließlich fuhren sie überhaupt nicht mehr auf den See hinaus. Sie meinten, es reiche aus, wenn sie von Zeit eine Angel auslegen, um die Fische, die sie gerade brauchen, einzufangen.

Dann kam die Zeit, da setzte sich bei den Jüngern die Meinung durch: der See gehöre allen. Man habe nicht das Recht, denen, die auch fischen wollten, die Fische wegzunehmen und den Fischbestand zu reduzieren. So fassten sie schließlich den Entschluss, an den Ufern Lebensrettungs-Stationen zu errichten, die über ein gut geschultes Personal verfügen, und nur noch dem zu helfen, der nach Hilfe schreit.


P. Walter Rupp, SJ