Faulheit II

Glaubensserie

Der Faule tut nichts so gern wie nichts und langweilt sich dabei nicht einmal.

Der Faule tut nichts so gern wie nichts und langweilt sich dabei nicht einmal. Er schont seine Kräfte. Er hat nicht den Ehrgeiz, etwas zu erreichen. Der Geschäftige dagegen ist pausenlos tätig und möchte etwas erreichen, aber trotz seiner Geschäftigkeit kommt am Ende bei ihm nichts heraus, weil er es nicht versteht, seine Kräfte sinnvoll einzusetzen. Nichtstun ist deshalb besser, - meint Laotse - als mit viel Mühe nichts zu schaffen. Denn was soll aller Energieaufwand, wenn er sinnlos verpufft? 

Die Diktaturen waren stets darauf bedacht, die Faulheit zu verbieten und womöglich abzuschaffen. Um das Nichtstun zu verhindern, leisteten sie sich ein Heer von Aufsehern und Antreibern oder Kontrolleuren, die über den Fleiß und die Einsatzbereitschaft der Untertanen zu wachen hatten. 

Pausenloses Tätig-Sein ist noch kein Beweis, dass man eine sinnvolle Arbeit verrichtet. Geschäftigkeit hat allerdings einen Vorzug: Man kann damit der Langeweile entfliehen, Probleme verdrängen, seine innere Unrast betäuben und den Mitmenschen eindrucksvoll vor Augen führen, wie unentbehrlich man ist. Zum Tätigsein gehört das produktive, schöpferische Element. Jeder will schließlich ein Ergebnis sehen, sei es auch noch so klein. Jeder möchte erfahren, dass sich sein Einsatz lohnt. Er möchte die Bestätigung, dass das, was er geschaffen hat, gut und nützlich war. 


P. Walter Rupp, SJ