Barmherzig mit Migranten und Flüchtlingen

Papst Franziskus, den die schwierigen Bedingungen der Flüchtlinge tief berühren, hat sich wiederum dafür eingesetzt, dass ihnen im Namen der Barmherzigkeit ein besonderer Platz offen steht. So ist jeder von uns aufgerufen, in seinem Kopf, in seinem Herzen, in seinen Gedanken und in seinem Heim einen solchen Platz der Barmherzigkeit bereit zu halten. Die Einwandererströme sind eine Realität, die uns nicht gleichgültig lassen dürfen.

Die Staaten, die Gesellschaften, die Kirchen werden Programme aufstellen müssen, die den zahlreichen Ursachen der Migration Rechnung tragen. Sie müssen auch die Veränderungen ins Auge fassen, die durch die Aufnahme der Migranten in unseren Gesellschaften entstehen werden. Wir wollen doch diesen unsern Brüdern und Schwestern ein günstiges Terrain vorbereiten, das auch ihre Wurzeln beachtet.

Papst Franziskus schreibt in der Botschaft zum Welttag des Migranten und Flüchtling 2016: "In diesem Augenblick der Menschheitsgeschichte, der stark von den Migrationen geprägt ist, ist die Frage der Identität keineswegs zweitrangig. Wer auswandert, ist nämlich dazu gezwungen , einige Eigenheiten zu verändern,
die seine Person ausmachen, und zugleich, selbst ohne es zu wollen, zwingt er auch denjenigen, der ihn aufnimmt, zur Veränderung." 

Solche Veränderungen können z.B. darin bestehen, 

  • dass wir den Migranten zu Arbeit verhelfen, damit sie sich eingliedern können, und dass wir mit ihnen gerechte Beziehungen pflegen. Das ist etwas Anderes, als von ihnen als billigen Arbeitskräften zu profitieren!
  • dass wir den Flüchtlingen helfen, sich zu integrieren und so mithelfen, dass gegenseitige Beziehungen entstehen, was etwas Anderes ist, als über ihre Hilfe in unserem Leben vor Ort Theorien aufzustellen. Aufnahme ist 'geben' und 'empfangen'.
  • dass wir das Wohl des 'Andern' suchen, denn so können wir der Gefahr der Bildung von Ghettos, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit vorbeugen.
  • dass wir versuchen, die Flüchtlinge uneigennützig aufzunehmen; das heisst, dass ihnen auch die Möglichkeit offen steht, wieder nach Hause zurückzukehren, wenn die Zeiten besser geworden sind. Vielleicht können sie sich dies heute noch nicht vorstellen. Unsere Aufnahme soll ihnen aber helfen, neu Vertrauen zu schöpfen.
  • dass wir die Begegnung mit Andern suchen und so für eine 'Kultur der Begegnung' arbeiten, dass wir versuchen, Vorurteile und Ängste zu überwinden.

Die biblische Tradition macht die Aufnahme des Fremden zu einem bevorzugten Weg, Gott zu begegnen. "Ich stehe vor der Tür und klopfe an", wird uns für das tägliche Leben gesagt, und beim letzten Gericht wird uns diese gleiche Stimme mit einem Dank überraschen: "Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen." 

Den Mitmenschen willkommen heissen, heisst Gott willkommen heissen. Nichts weniger als das! 


aus dem "Wort der Schweizer Bischöfe zum Sonntag der Völker 2016"