Spiritualität von Arnold Janssen - Lebensquellen

Wenn man sich die Grundausrichtung des Gründers Arnold Janssen anschaut, dann ist sie von einer solch inneren dynamischen Schlüssigkeit, die aktuell bleibt.

Dreifaltigkeit

Es ist faszinierend, in welchem Ausmaß Arnold Janssen immer wieder auf die Dreifaltigkeit dringt. Die Dreifaltigkeit ist jene Botschaft von Gott, die bis heute noch nicht angekommen ist bei der Christenheit. Wer sich Gott als ein einsames, sich selbst genügendes Ich vorstellt, der möchte im Grunde auch so sein. Wer nur diesen Gott sieht, der sagt anders "ich". Dass er "du" sagt, ist eine Gefälligkeit.

Gott ist anders. Er sagt von allem Anfang an "du". Wir verstehen Gott nur, wenn das erste, das es überhaupt gibt, diese Bewegung von sich selbst weg zum anderen hin ist. Das erste ist Ursprung, Beziehung, Miteinander. Wir können Gott nicht denken ohne diese Bewegung, die sich schenkt, die annimmt und verbindet. Ein Denken, das von der Dreifaltigkeit ausgeht, kann nur zu einer Leidenschaft für die anderen und zu einem Sein mit den anderen führen. Das ist die Revolution des Gottesbildes. Und das ist der Grund, warum die "Verehrung des dreifaltigen Gottes", von der Arnold Janssen spricht, so wichtig ist. Sie meint nicht, dass wir jetzt zu ihr beten. Es ist eine Lebensform, und das ist entscheidend!

In mir wohnt dieser dreifaltige Gott. Wer in ihm beheimatet ist und ihm Heimat gibt, der ist geborgen. Denn wo immer er ist, ist er zwischen dem Sohn und dem Vater. Wer an die Dreifaltigkeit glaubt, glaubt an die Liebe. Er weiß: Wenn er "ich" sagt, sagt er: "Ich bin geliebt." Er ist verankert und im Gleichgewicht. Dadurch hat er jene Gelassenheit, dass er etwas ausstrahlen kann. Denn er hat das Reich Gottes erfahren, das jetzt aus ihm strahlt. Er glaubt an die Liebe. Das ist sozusagen das Leben der Dreifaltigkeit in uns. Dieses Leben der Dreifaltigkeit drängt danach, zum Leben zwischen uns und andern zu werden.

Geist Gottes

Weil wir den Geist in uns haben, leben wir immer in der Verfassung: "Die Liebe Christi drängt uns." Ich habe den Antrieb: Bleib nicht bei dir! Kümmere dich um die andern! Trag zu den andern etwas hin! Dieser innerste missionarische Drang ist der Geist, Gottes Zuneigung und Zuwendung. Ich lebe immer in dieser Zuwendung. Ich habe immer diese Dynamik: Ich möchte, dass etwas in Gang kommt, dass es weitergeht. Dies ist das Geheimnis des Geistes! Ich bin geführt vom Geist Gottes. Er ist ja der, der vom Vater zum Sohn und vom Sohn zum Vater unterwegs ist, der sich mitteilt, der weitergeht. Er ist immer derjenige, der mir schon voraus ist. Dadurch lerne ich dann hören auf den Geist, hören auf die Stimme in mir, in der Gemeinschaft, im andern. Man kann es sich angewöhnen, bevor man etwas denkt, tut oder sagt, einfach dieses Hören einzuüben, also nicht zu fragen: Was mag ich jetzt, oder was mag ich nicht? - sondern: Was hat jetzt den Geschmack des Geistes?

Ich bin durch den Geist Gottes immer auf einem Weg der Verbindung zu andern. Der Geist Gottes kann nichts anderes als Einhalt schaffen und verbinden. Er führt zum andern, zu einer Brücke, zu einer Beziehung hin. Er führt zu dem, was innerlich verbindet und Brücken schlägt. Ich bin gedrängt zur Zuwendung. Ich bin geführt von ihm, mit andern verbunden durch ihn.

Unterkirche im Missionshaus St. Michael in Steyl 
Unterkirche im Missionshaus St. Michael in Steyl

Das Wort

Wir müssen uns einfach leer machen für Jesus, das WORT, damit es in uns leben kann. Eines Tages ist mir deutlich geworden: Ich bin durch das WORT erschaffen und durch dieses WORT erlöst. Nicht ich lebe das WORT, sondern das WORT lebt mich. Mir ist deutlich geworden: Alles in mir, was nicht WORT Gottes ist, muss verwandelt werden, bis ich ganz und gar sein WORT bin. Erst wenn ich das bin, kann ich eigentlich ganz Jesus, das WORT, mit meinem Leben verkünden. Einswerden mit dem WORT, dass ich immer mehr Wort werde, das ist das erste. Das zweite ist, Einheit schaffen mit dem andern, dass ich auch im andern das Wort entdecke, das Stück Wort, das im andern lebt. Dann kann ich auf den andern zugehen und mit ihm eins werden als einer, der selbst das Wort Gottes lebt. Es entsteht eine Brücke, ein Gespräch, und eine Beziehung kann wachsen. Das ist missionarisches Leben vom Wort her.

Die Mission

Einheit schaffen mit der Schwester, mit dem Bruder, die/ der dieselbe Berufung lebt, dass wir wirklich Jesus, dasselbe WORT, sagen. Wir brauchen die Tuchfühlung miteinander und das Hören aufeinander, um einmütig Zeugnis geben zu können. Wenn wir Dreifaltigkeit, Geist und Wort miteinander leben, dann sind wir durch unser Wesen und unsere Gemeinschaft missionarisch. Deswegen müssen wir nicht nur Mission tun, sondern sein. - Wir sind Mission, wenn wir leben, was wir sind.

Es scheint, dass der eigentliche Untergrund für die geistliche Ausrichtung Arnold Janssens ganz schlicht die Frömmigkeit seines Vaters war. Aus ihr heraus, der Überlieferung und dem, was ihm begegnet ist, ist eine Lebenslinie geworden, aus der Tausende und Abertausende leben können. Die Grundausrichtung Arnold Janssens hat eine ganz einfache Struktur. Man kann sie mit den drei Worten nennen: Dreifaltigkeit, Geist und WORT. Aus ihnen erwachsen Mission und Gemeinschaft ganz organisch heraus. Am Epheserbrief können wir zum Beispiel sehen, dass Kirche immer diese Struktur sein muss: Dreifaltigkeit, Geist, WORT, Gemeinschaft und Mission (Zeugnis). Das ist das Wesen der Kirche. Ich meine, dass dieser Zusammenhang nirgendwo so scharf gesehen wird wie in den Steyler Gemeinschaften. Das ist sozusagen die Botschaft, die sie an die Kirche aller Zeiten auszurichten haben.

Bischof Klaus Hemmerle 1986, nach einem Vortrag für die Steyler Missionare
 
Tabernakel im Missionshaus St. Michael in Stey - Foto: Heinz Helf SVD
Tabernakel im Missionshaus St. Michael in Stey - Foto: Heinz Helf SVD