Missionsgebetsmeinung - September 2014

September 2014

Das Evangelium inspiriere die Christen in ihrem Einsatz für die Armen

© P. Norbert Cuypers SVD

Gleich zu Beginn der Bergpredigt, wie wir sie beim Evangelisten Matthäus (Mt 5-7) lesen können, aber auch bei der so genannten „Feldpredigt“, die sich im Evangelium des Lukas findet (Lk 6,20-49), werden jene glücklich gepriesen, die zu den Armen dieser Welt zählen. In diesen beiden Evangelien werden paradoxerweise Menschen nicht wegen ihrer asketischen Tugenden oder ihres intensiven, frommen Gebetslebens gelobt, sondern einfach nur deshalb, weil sie arm sind oder hungern. Beide Evangelisten – und damit wohl schon die ersten Christen – sehen die Armen als jene an, die bei Gott einen privilegierten Platz einnehmen. Der Neutestamentler Hermann-Josef Vennetz bemerkt dazu: „Für die ersten Christen waren die Seligpreisungen vor allem Offenbarung des Erbarmens und der Gerechtigkeit Gottes. Erbarmen und Gerechtigkeit sind die Kennzeichen der Gottesherrschaft.“

Das Gebetsanliegen von Papst Franziskus in diesem Monat kann daran erinnern, dass wir auch heute, im 21. Jahrhundert, die Armen unter uns nicht vergessen und für sie da sein sollten. In seinem Schreiben „Evangelii Gaudium“ findet Franziskus dafür einige klare und deutliche Worte: „Jeder Christ und jede Gemeinschaft ist berufen, Werkzeug Gottes für die Befreiung und die Förderung der Armen zu sein, so dass sie sich vollkommen in die Gesellschaft einfügen können; das setzt voraus, dass wir gefügig sind und aufmerksam, um den Schrei des Armen zu hören und ihm zu Hilfe zu kommen“ (Nr. 187).

Noch deutlicher wird der Papst, der sehr wohl und sehr gut mit der Armut vieler seiner Landsleute in Argentinien vertraut ist, wenn er unter der Nummer 207 schreibt: „Jede beliebige Gemeinschaft in der Kirche, die beansprucht, in ihrer Ruhe zu verharren, ohne sich kreativ darum zu kümmern und wirksam daran mitzuarbeiten, dass die Armen in Würde leben können und niemand ausgeschlossen wird, läuft die Gefahr der Auflösung, auch wenn sie über soziale Themen spricht und die Regierungen kritisiert. Sie wird schließlich leicht in einer mit religiösen Übungen, unfruchtbaren Versammlungen und leeren Reden heuchlerisch verborgenen spirituellen Weltlichkeit untergehen.“ – Ob uns das zu denken gibt?

„Hast du Freunde unter den Armen?“ fragte ein Bischof die zu weihenden Diakone seiner Diözese. Von der Beantwortung dieser Frage hängt vieles auch für unsere Gemeinden und Ordensgemeinschaften ab.

 
 

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