Philippinen

Ein Sturm schrieb Geschichte

07.11.2018

Heute vor fünf Jahren traf der große Taifun „Haiyan“ die Philippinen. Seitdem haben die Steyler Missionare tausenden Familien vor Ort geholfen, ihre Häuser wiederaufzubauen.

„Yolanda“. Wenn Edgar Vejera dieses Wort hört, schüttelt es ihn. Er sitzt auf seiner Veranda und wie automatisch wandert sein Blick nach oben zu den Palmen, die im Wind wehen. Yolanda – das ist der philippinische Name für den Super-Taifun, der vor knapp fünf Jahren auf der nördlichen Inselgruppe der Visayas eine einzige Welle der Zerstörung hinterließ. In der übrigen Welt bekannt als "Haiyan". Der stärkste Taifun, der jemals auf Land traf, ist in die Geschichte eingegangen. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 315 Stundenkilometern zog er quer über die Philippinen. Rund 10.000 Menschen kamen ums Leben, mehr als 26.000 wurden verletzt. Vier Millionen Menschen verloren ihre Bleibe.
Edgar (l.) und seine Familie haben 2013 im Taifun alles verloren. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
Edgar (l.) und seine Familie haben 2013 im Taifun alles verloren. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)
Darunter Edgar, seine Frau und seine sechs Kinder. Sie waren mittendrin – unter einem Tisch genauer gesagt – als der Sturm erst das Dach und dann ihr gesamtes Haus mit sich riss. Traumatisiert und orientierungslos flohen sie für zwei Tage in das nächstgelegene Evakuierungszentrum, wo sie mit Nahrung und Kleidung versorgt wurden. Dann kehrte die Familie nach Hause zurück. Zumindest zu dem, was davon noch übriggeblieben war. „Wir wussten, dass alles weg ist. Aber dieser Ort ist trotzdem unsere Heimat“, meint Edgar. Hier auf der großen Insel Leyte zwischen den Palmen und Farnen neben den Reisfeldern fühlen sie sich wohl.
Mehr als ein paar Bretter und Planen aber fanden sie damals nicht. Daraus baute Edgar eine Art Zelt, in dem sie erst einmal schlafen konnten. Wie es weitergehen sollte, das wussten sie nicht. „Alles woran ich dachte war die Angst, dass nach Yolanda direkt noch ein Taifun kommt.“
Taifune, Erdbeben und Überflutungen gehören auf den Philippinen zum Alltag. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
Taifune, Erdbeben und Überflutungen gehören auf den Philippinen zum Alltag. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)
Vor Yolanda war der 39-jährige Edgar – wie die meisten Filipinos in der Gegend in Nähe des Meeres – Kokosnussfarmer. Aber der Sturm hat nur wenige Kokosnusspalmen stehen lassen. Die Menschen waren abhängig von ihnen. Jetzt wird es noch Jahre dauern, bis sie davon wieder leben können. Deshalb musste Edgar damals schnell etwas anderes finden und begann, als Tagelöhner zu arbeiten.

Wochen nach dem Sturm war Edgar einmal unterwegs auf der Suche nach Arbeit und traf die Steyler Missionare. Sie waren gerade dabei, mit dem Wiederaufbau zu beginnen, um den Menschen in Leyte zu helfen. „Ihnen verdanken wir einfach alles“, strahlt Edgar. „Wären sie nicht gewesen, würden wir jetzt immer noch im Zelt schlafen.“ Die Missionare gaben Edgar und seiner Familie ein Paket mit Baumaterial und Werkzeug, mit dem sie ihr Haus wiedererrichten konnten. Und zwar so, wie es ihnen gefiel. Unterstützendes Wissen erhielten sie von Baumeistern.
Dank der Steyler Missionare haben Edgar und seine Familie nun wieder ein neues Haus. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
Dank der Steyler Missionare haben Edgar und seine Familie nun wieder ein neues Haus. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)
Aus Sperrholz, Zement und Wellblechen baute Edgar sein Haus dort wieder auf, wo das alte gestanden hatte. „Etwas Gutes hatte Yolanda auch“, lacht Edgar. „Vorher hatte unser Haus nur ein Palmdach. Jetzt haben wir sogar eins aus Blech!“ Hier wohnt die achtköpfige Familie nun und kann langsam wieder in die Normalität zurückkehren. Soweit das möglich ist.
Dadurch, dass Edgars Familie und viele weitere den Wiederaufbau selbst in die Hand nahmen, war es den Steyler Missionaren möglich, noch mehr Menschen mit Häusern zu versorgen. In den letzten fünf Jahren haben sie rund 5.000 Familien auf den Inseln Leyte und Cebu einen Neuanfang ermöglicht. Auch konnten tausende Kinder lange Zeit nicht zur Schule gehen, die Gebäude waren in sich zusammengefallen. Für sie haben die Missionare 70 Klassenräume neu errichtet.
Rund um die Kirchen finden sich Massengräber für die Verstorbenen des Taifuns. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
Rund um die Kirchen finden sich Massengräber für die Verstorbenen des Taifuns. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)

Fünf Jahre später ist Yolanda noch überall präsent. Zerstörte Gebäude, herumliegende Bretter und angeschwemmte Boote gehören zum Landschaftsbild. Massengräber und -denkmäler mit den Namen der Verstorbenen liegen rund um die Kirchen. Aber viel mehr noch als in den Gebäuden, ist der Sturm im Gedächtnis der Menschen geblieben. Den 8. November 2013 werden sie wohl alle nie vergessen: „Meine Kinder verstecken sich sofort irgendwo im Haus, wenn es stark anfängt zu regnen“, erzählt Edgar. Das Trauma ist noch da. Deshalb kommt einmal im Monat ein von den Steyler Missionaren organisierter psychologischer Dienst, um der Familie zu helfen, ihre Erlebnisse mit Yolanda zu verarbeiten. „Wir leben in einem Land, in dem Erdbeben und Taifune eben zu unserem Alltag dazugehören. Die nächsten werden kommen, das wissen wir“, sagt Edgar. Und kleinere Taifune hat es auch schon wiedergegeben. Aber sie haben zum Glück bisher keine Schäden an Edgars neuem Haus hinterlassen.

Wenn man Edgar fragt, woher er seine Kraft nimmt, von vorne anzufangen, blickt er lächelnd auf seine Kinder: „Für meine Familie würde ich alles tun!“ Der nächste Sturm könnte ihm und seiner Familie wieder alles nehmen. Aber er verzweifelt nicht. Seine Familie und sein Glaube halten ihn stark, sagt er. Und das Wissen, dass die Steyler Missionare an ihrer Seite sind.
5.000 Familien haben dank der Steyler Missionare nun wieder ein Dach über dem Kopf. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
5.000 Familien haben dank der Steyler Missionare nun wieder ein Dach über dem Kopf. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)
Melanie Pies-Kalkum
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Melanie Pies-Kalkum

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