Mexiko

Ein Schutzraum für Flüchtlinge

27.11.2019

Migranten aus Mittelamerika, die unter Lebensgefahr versuchen, in die USA zu gelangen, finden im Süden Mexikos Zuflucht. Die „casa de migrantes“, das Flüchtlingshaus der Pfarrei in Salto de Aguas, wurde von Steyler Missionaren unter anderem mit Spendengeldern aus Deutschland gebaut.

Das Erdgeschoss des Flüchtlingshauses ist fertig. Nun wird die zweite Etage gebaut. (Foto SVD)
Das Erdgeschoss des Flüchtlingshauses ist fertig. Nun wird die zweite Etage gebaut. (Foto SVD)

Sie kommen zu Tausenden - aus Honduras, Nicaragua, El Salvador, Guatemala. Aus Haiti, Venezuela oder Kuba. Sie kommen, weil sie vor der Gewalt in ihrer Heimat fliehen, vor Arbeitslosigkeit, bitterer Armut und Korruption. Erschöpft, hungrig und nicht selten verletzt erreichen sie den kleinen Ort Salto de Aguas im mexikanischen Bundesstaat Chiapas. Es ist nur eine Durchgangsstation auf ihrer langen Reise. Noch haben sie einen weiten und gefährlichen Weg vor sich, bis sie die Grenze zu Nordamerika erreichen, wo sie sich ein besseres Leben erhoffen. Doch jetzt können sie sich für wenige Tage ausruhen. „In der ‚casa de migrantes‘, dem Betanien-Haus Santa Martha, wie es offiziell heißt, bekommen sie zu essen, einen Platz zum Schlafen und werden medizinisch versorgt“, berichtet Bruder Joachim Mnich SVD, der für den Bau des Flüchtlingshauses verantwortlich ist. „Mit Spendengeldern aus Deutschland konnte das Erdgeschoss vor etwa einem Jahr fertiggestellt werden“, sagt er dankbar bei einem Heimatbesuch in St. Augustin. 70 Menschen können nun dort in zwei Räumen unterkommen, einer für Frauen und Kinder, der andere für Männer. Vier Ordensschwestern kümmern sich um die Menschen. Bereits 13.000 fanden in diesem Jahr bislang Zuflucht. Doch schon jetzt ist klar, dass die Räumlichkeiten nicht ausreichen. „Die Bauarbeiten für eine zweite Etage haben bereits begonnen“, so Bruder Mnich.

Flucht auf "der Bestie" - so nennen die Migranten den Zug. (Foto SVD)
Flucht auf "der Bestie" - so nennen die Migranten den Zug. (Foto SVD)

Als die neue Herberge noch nicht stand, fanden die Migranten Unterschlupf in der Kapelle „Santa Martha“, die aber viel zu klein für die vielen Menschen war. Länger als eine Nacht konnten sie dort nicht bleiben. Dann mussten sie weiter. Zu Fuß oder hoch oben auf „La Bestia“, der Bestie. So nennen sie den Güterzug, der Richtung Norden zur Grenze fährt. Wann er kommt, weiß niemand. Ertönt sein Pfeifen, laufen die Migranten Richtung Gleise, versuchen während der Fahrt aufzuspringen und sich auf das Dach zu setzen. „Dabei passieren regelmäßig Unfälle, sterben Menschen“, berichtet Bruder Mnich. „In diesem Jahr wurden einer schwangeren Frau die Beine abgetrennt.“ 


Flüchtlinge warten auf den Zug. Wann er kommt, weiß niemand. (Foto SVD)
Flüchtlinge warten auf den Zug. Wann er kommt, weiß niemand. (Foto SVD)

Aber nicht nur die Reise auf dem Zug ist lebensgefährlich. Kriminelle Banden rauben die Flüchtlinge aus, verschleppen sie, um von den Familien Geld zu erpressen, misshandeln oder töten sie. Eine Schwester, die im Flüchtlingsheim mitarbeitet, ist Rechtsanwältin, begleitet die Menschen, die auf der Reise Opfer von Verbrechen geworden sind, beim Gang zu den Behörden. „Wir arbeiten hier auch mit der Organisation ACNUR, dem Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge zusammen, das dafür zuständig ist, diese vor Verfolgungen oder Konflikten zu schützen“, so Bruder Mnich. „Menschen, die in ihrer Heimat mit dem Tod bedroht werden, können dann in Sicherheit gebracht werden indem sie ein Humanitäres Visum erhalten.“ Zwei Wächter schützen die Gäste des Flüchtlingsheimes vor Übergriffen. Wer dort unterkommen will, muss seinen Namen angeben und wird fotografiert. „So findet man ihre Spur, falls auf der Reise etwas passieren sollte“, sagt Bruder Mnich.
Die Bewohner von Salto de Aguas hatten anfangs Schwierigkeiten, sich an die Flüchtlinge im Ort zu gewöhnen. Die Steyler Missionare und die Ordensschwestern wurden kritisiert, was manchmal immer noch passiert. „Da haben wir Bewusstseinsbildung gemacht und mit den Einheimischen über die Situation dieser Menschen gesprochen“, berichtet Bruder Mnich. Es hat genutzt. Einmal die Woche kochen Ehrenamtliche für die Migranten. 

Bruder Joachim Mnich SVD kümmert sich um die Flüchtlinge. (Foto SVD)
Bruder Joachim Mnich SVD kümmert sich um die Flüchtlinge. (Foto SVD)

Nur die wenigsten von ihnen schaffen es in die USA. Spätestens an der Grenze ist Schluss, dann werden sie abgewiesen. Manche der Flüchtlinge bleiben in Mexiko. Andere sind so verzweifelt, dass sie die gefährliche Reise erneut wagen. Dann finden sie auch wieder Zuflucht in der „casa de migrantes“.

Ulla Arens


 

Melanie Pies-Kalkum (zurzeit in Elternzeit)

Medienredaktion
Elternzeitvertretung:
Ulla Arens
+49 (0) 2241 / 2576-437
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