Paraguay

Ein Jahr mit den Ärmsten teilen

18.07.2012

Der Pastoralassistent Philipp Scheffknecht aus dem österreichischen Dornbirn lebt und arbeitet für ein Jahr als Missionar auf Zeit in Paraguay. Über seine Zeit in Capitán Miranda bei Pater Winfried Moschner hat er mit Markus Frädrich gesprochen.

Phillipp Scheffknecht bei der Bibelarbeit mit Kindernzoom
Phillipp Scheffknecht bei der Bibelarbeit mit Kindern

Philipp, wie kommt ein Vorarlberger als MaZ nach Paraguay?
Gute Frage! Von der Möglichkeit, ein Auslandsjahr über einen Orden zu machen, habe ich vor allem in meiner Ausbildung in Wien erfahren. Grundsätzlich hat das mein Interesse geweckt. Auf die Steyler kam ich, weil sie jedes Jahr nach Vorarlberg kommen, um für ihr MaZ-Programm zu werben. Mir gefällt das MaZ-Motto ‚Mitleben, Mitbeten, Mitarbeiten‘ sehr gut, und auch die Vorbereitung ist klasse. Es war mein ausgesprochener Wunsch, nach Südamerika zu gehen, obwohl ich bis zu meinem Einsatz nur Französisch, aber kein Spanisch sprechen konnte. Deshalb hat man mir zunächst den Kongo als Einsatzland vorgeschlagen – aber ich wollte unbedingt nach Lateinamerika.

Die aufgeschlagene Kinderbibelzoom
Die aufgeschlagene Kinderbibel

Hast Du lange gebraucht, um Dich an Klima, Land und Leute zu gewöhnen?

Ich bin hier mit einem komfortablen Zimmer ausgestattet, wo es sich dank eines Ventilators auch im heißen Sommer gut aushalten ließ. Jetzt wird es schon bald kühl – vielleicht ist das die nächste Probe, weil es hier ja keine Heizungen gibt und die Temperaturen angeblich bis auf 0 Grad sinken können. Landschaftlich gefällt es mir hier sehr gut, es ist sehr grün, sehr ländlich, das kenne und liebe ich auch von meiner Heimat. Es fehlen nur die Berge. Die Leute sind sehr offen, sehr gastfreundlich – ich denke, ich habe schon guten Anschluss gefunden.

Philipps Gastgeber, der Steyler Missionar Pater Winfried Moschner SVDzoom
Philipps Gastgeber, der Steyler Missionar Pater Winfried Moschner SVD

Hast Du das Gefühl, Dich gut einbringen zu können - insbesondere mit Deinen Fähigkeiten als Religionslehrer?
Und ob! Pater Winfried Moschner, bei dem ich das MaZ-Jahr verbringe, erteilt keine strikten Auflagen, sondern ist der Meinung, dass jeder MaZ hier einen Platz sucht und findet, der zu seinen Charismen passt. Ich habe zum Beispiel in der Schule unterrichtet – auch wenn das nicht immer leicht war, weil Religion hier kein Schulfach ist. Gemeinsam mit der Ethiklehrerin durfte ich aber auf die Karwoche hinarbeiten. Die Stunden, die ich dazu vorbereitet hatte, waren ein voller Erfolg, vor allem auch deswegen, weil hier normalerweise frontal unterrichtet wird, ich jedoch Gruppenarbeiten forciert habe. Da waren einige Schüler gleich motivierter.
Ansonsten bin ich ziemlich frei, was meine Aufgaben angeht. Ich arbeite in der Pfarrei mit, engagiere mich in der Katechese oder der „Infancia Misionera“, der Kindermission. Beides steht derzeit für mich wöchentlich an. Sonst werde ich überall mit einbezogen, sei es bei der Vorbereitung des Pfarrfestes oder bei der Feier eines Wortgottesdienstes.

Wie gestaltet sich das Zusammenleben mit einem Steyler Missionar?

Das klappt eigentlich ganz gut. Pater Moschner hat schon sehr viel Erfahrung mit MaZ und mit Paraguay, beinahe 40 Jahre ist er bereits hier. Manchmal erkenne ich in ihm bereits „paraguayische Züge“, obwohl er eigentlich aus Deutschland stammt. Ab und zu merkt man, dass wir beide altersmäßig 40 Jahre auseinander liegen – bei gewissen Dingen sind seine Einstellungen nicht die meinen. Aber gerade das ist das Spannende in einem solchen Jahr! Es fordert heraus, miteinander zu leben und zu arbeiten, auch wenn man nicht immer derselben Meinung ist.

Tanzend mit der "Infancia Misionera"zoom
Tanzend mit der "Infancia Misionera"

Ein Bild von Dir ziert ein Plakat zum Weltgebetstag am Stephansdom. Wie kam es dazu - und wie hast Du das aus der Ferne erfahren?
Das Bild hängt wahrscheinlich bei so einigen Pfarreien im Schaukasten. Ich habe davon über eine Freundin erfahren, die in Wien studiert. Es freut mich sehr, dass mein Einsatz hier auch in Wien seine Spuren hinterlässt. Wie es genau dazu kam, kann ich gar nicht sagen – wahrscheinlich, weil ich für eine Zeitschrift des Canisiuswerks einen Artikel geschrieben habe. Die haben das Bild dann für eine Öffentlichkeitskampagne benutzt.

Dein Einsatz ist noch nicht zu Ende, aber kannst Du schon sagen, ob er sich für Dich gelohnt hat?

Ich glaube, dass sich MaZ immer lohnt! Ich denke, jeder MaZ hat mit anderen Schwierigkeiten an seiner Stelle zu kämpfen, aber jeder entdeckt auch andere Schönheiten, die ihn das ganze Leben prägen werden. Für mich war es eine unglaublich wichtige Erfahrung, mein Leben ein Jahr lang mit den Ärmsten zu teilen. Ich lebe zwar noch lange nicht so arm wie die Ärmsten – dafür habe ich noch zu viel Sicherheiten – aber Paraguay gilt als das ärmste Land Südamerikas, und das sieht man vor allem an den Straßen und den Häusern.

Kinder aus einem Barrio von Capitán Mirandazoom
Kinder aus einem Barrio von Capitán Miranda

Was vermisst Du an Österreich?

Gewisse Spezialitäten aus der österreichischen Küche fehlen mir natürlich – es wird ein Genuss werden, sie wieder verspeisen zu dürfen. Auch auf die Berge und aufs Skifahren freue ich mich schon wieder. Aber es wird mir dann wahrscheinlich auch einiges fehlen, was ich hier kennengelernt habe. Etwa das Gefühl, an jedem Ort, zu dem man kommt, willkommen zu sein – und mit Leuten ins Gespräch zu kommen, obwohl man sich nicht kennt.

Was sind Deine Pläne nach Deiner Rückreise?

Ich werde mir ein wenig Zeit gönnen, um auch den ankommenden Kulturschock zu verarbeiten – bei der Rückkehr ist der meist größer und intensiver als im Ausland. Außerdem habe ich mir vorgenommen, mehr für meine Familie da zu sein. Hier in Paraguay leben verschiedene Generationen lange Zeit miteinander, vielleicht auch deswegen, weil sie keine andere Möglichkeit haben. Aber ich finde es schön, wenn man sich schützt und stützt. Beruflich gesehen fühle ich mich gestärkt, meinen Weg in Pastoral und Schule weiter zu verfolgen. Ansonsten freue ich mich natürlich auf meine Freunde und Bekannten. Und ich bin gespannt, zu beobachten, was sich an mir so alles verändert hat.

 

Melanie Pies-Kalkum

Medienredaktion
+49 (0) 2241 / 2576-438
presse@steyler-mission.de

 

Datenschutz  |  Kontakt  | Sitemap  |  Impressum  |  Suche