Indien

„Man braucht nicht viel, um glücklich zu sein“

26.03.2012

Noch bis zum Sommer ist Dominik Sandmann aus Warendorf als „Missionar auf Zeit“ im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh im Einsatz. In einer Schule der Steyler Missionare unterrichtet und betreut er Kinder und Jugendliche.

Der Missionar auf Zeit Dominik Sandmann
Der Missionar auf Zeit Dominik Sandmann

Natürlich, sagt Dominik, vermisse er Deutschland. Freunde und Familie, das stabile Stromnetz. „Aber andererseits ist es auch schön zu sehen, dass man eine Zeit lang auch ohne diese Dinge auskommt“, bilanziert der 19-Jährige zur Halbzeit seines Aufenthaltes im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh. Rund 80 Kilometer von der Millionenstadt Hyderabad haben die Steyler Missionare im kleinen Dorf Kadavendi die „St. John de Britto High School“ aufgebaut. Zu den Lehrern der rund 1.000 Schülerinnen und Schüler gehört seit Neuestem auch ein junger „Missionar auf Zeit“ (MaZ) aus Deutschland. Dominik Sandmann aus Warendorf.

Dominik und seine Schülerzoom
Dominik und seine Schüler

„Anfangs habe ich einzelne Lehrer vertreten oder die Schüler bei ihren Hausaufgaben beaufsichtigt“, erzählt Dominik. „Inzwischen habe ich auch richtigen Unterricht übernommen und bin täglich vier bis sieben Stunden in der Schule.“ Dominik lehrt die Schüler englische Grammatik, Sachkunde und Zeichnen, bevor es ihn nach Schulschluss mit den rund 90 Internatsschülern auf den Sportplatz zieht, zum Fußball oder Volleyball. „Fast täglich spielen wir auch Kricket“, sagt Dominik. „Am Anfang kannte ich noch nicht einmal die Regeln, aber ich mache gewaltige Fortschritte. Vor Kurzem habe ich sogar bei einem Turnier im Lehrerteam mitgespielt. Und mit meinen Kollegen gewonnen.“

Dominik beim Krikettzoom
Dominik beim Krikett

Nach einem halben Jahr gehört Dominik fest mit zum „Schulinventar“. „Natürlich steche ich durch meine Hautfarbe aus der Menge heraus“, sagt Dominik. „Aber durch meine MaZ-Vorgänger haben sich die Schüler schon an uns weiße, europäische Exoten gewöhnt. Davon abgesehen möchte ich so sein und behandelt werden, wie jeder andere hier auch.“ Wie die übrigen Bewohner im „Fatherhouse“ auf dem Campus – dem Wohnhaus der Missionare – bewohnt Dominik ein einfaches 15-Quadratmeter-Zimmer mit Bad. Die Matratze ist dünn, das Duschwasser kalt. Dominik nimmt’s gelassen: „Was mich nicht tötet, härtet mich ab.“ Moskitoschwärme und Ameisenstraßen eingeschlossen.

Beim Englischunterrichtzoom
Beim Englischunterricht
Beim Zwischenseminar mit anderen Freiwilligenzoom
Beim Zwischenseminar mit anderen Freiwilligen

An vieles hat sich der „Missionar auf Zeit“ inzwischen schlichtweg gewöhnt – das Essen zum Beispiel. „Anfangs brannte es durchgehend in meinem Mund“, erinnert er sich. „Inzwischen kann ich mit der indischen Schärfe gut leben, auch mit der Tatsache, dass es täglich mindestens zwei Mal Reis gibt.“ Auch das Klima bereitet Dominik keinerlei Probleme – wenn er dem „indischen Sommer“ im Mai und Juni auch eher verhalten entgegenfiebert. „Es soll dann tagsüber bis zu 45,50 Grad warm werden“, sagt er. „Trifft sich ja wunderbar, dass ich genau für diese Zeit meine Rundreise geplant habe.“

Vom südlichsten Zipfel des Landes will er bis zum Himalaya touren. „Das Land ist wunderbar“, sagt er. „Ich bin mir jetzt schon sicher, dass dieses Jahr nicht das letzte und einzige Mal sein wird, dass ich in Indien bin.“ Auch, sagt Dominik, wegen der großen Freundlichkeit der Menschen vor Ort. „Ich habe die Inder als sehr hilfsbereite Menschen kennengelernt“, sagt er. Trotz sprachlicher Schwierigkeiten – in Andhra Pradesh spricht man die Lokalsprache „Telugu“ – sei er überall herzlich aufgenommen worden.

Als "Buscleaner"zoom
Als "Buscleaner"

Zu den Schülern der „St. John de Britto High School“ zählen viele Waisen – wo die übrigen Schüler zu Hause sind, hat Dominik während seines Einsatzes als „Buscleaner“ gelernt. „Als ‚Buscleaner‘ bin ich morgens und abends im Schulbus mitgefahren, habe den Schülern beim Ein- und Aussteigen geholfen, während der Fahrt für Ordnung gesorgt und dem Fahrer bei Wendemanövern auf schmalen Straßen geholfen“, sagt Dominik. „Das war gut, um ein paar Eindrücke von der Region zu bekommen.“ Ausflüge auf den Wochenmarkt und in einen lokalen Zirkus lockerten Dominiks Lehrer-Alltag ebenso auf wie ein mehrtägiger Besuch von Andhra Pradeshs Hauptstadt Hyderabad, wo er die größten Filmstudios der Welt besichtigte und lernte, wie es ist, gemeinsam mit 19 anderen Fahrgästen in einer kleinen Autorikscha zu sitzen.

Ganz schön kuschelig: 19 Fahrgäste passen in die Autorikschazoom
Ganz schön kuschelig: 19 Fahrgäste passen in die Autorikscha

An „Mariä Empfängnis“ führte Dominik ein Ausflug zu den Steyler Missionsschwestern vor Ort, auch Bildungs- und Aids-Zentren hat der junge Freiwillige aus Deutschland schon mehrfach besichtigt. „Das große Problem bei der Behandlung von Aids-Patienten in Indien ist, dass sie sich zum größten Teil nicht outen können, weil sie sonst im Dorf ausgegrenzt würden“, sagt Dominik. „Deshalb ist die Dunkelziffer der HIV-Erkrankten so hoch.“

Vorbereitungen für einen Taizé-Gottesdienstzoom
Vorbereitungen für einen Taizé-Gottesdienst

Kein Tag vergeht, an dem Dominik nicht etwas Neues über Land und Leute lernt. Umgekehrt hat er mit seiner Leidenschaft für Sudokus längst die Schülerschaft der High School angesteckt, auch das Kartenspiel „Uno“ hat sich seit der Ankunft des Deutschen in Kadavendi etabliert. Und: „In der Vorweihnachtszeit habe ich mit den Schülern einen Taizé-Gottesdienst vorbereitet, wie ich ihn aus meiner Heimatpfarre in Einen kenne“, sagt Dominik. „Das Ganze wurde zu einem vollen Erfolg. Drei Schüler aus unserem Vorbereitungsteam versprachen mir schon, dass sie im nächsten Jahr am vierten Advent eigenständig versuchen wollen, einen Taizé-Gottesdienst auf die Beine zu stellen.“

"Jede Minute, die ich hier mit meinen Kindern verbringen darf, bereichern mein Leben.“zoom
"Jede Minute, die ich hier mit meinen Kindern verbringen darf, bereichern mein Leben.“

Dominik hat also schon jetzt Spuren in Kadavendi hinterlassen. „Das Zusammenleben und jede Minute, die ich hier mit meinen Kindern verbringen darf, bereichern mein Leben“, sagt er. „In diesem simplen Lebensstil erfahre ich täglich, dass man nicht viel braucht, um glücklich zu sein.“ Wenn er sich auch schon auf eine Rückkehr nach Deutschland im Sommer freut: Sein aktuelles „Zuhause auf Zeit“ hat er in Indien gefunden. „So richtig habe ich das erfahren, als ich nach einem viertägigen Ausflug vor Kurzem nach Kadavendi zurückgekehrt bin“, sagt Dominik. „Der freudige Empfang durch die Schüler auf dem Schulgelände hat mit klargemacht: Manchmal muss man erst weggehen, um richtig anzukommen. Aktuell ist bei mir jedes Heimweh verschwunden und ich bin einfach nur glücklich und zufrieden, hier noch ein paar Monate im Einsatz zu sein.“


Markus Frädrich

 

Melanie Pies-Kalkum (zurzeit in Elternzeit)

Medienredaktion
Elternzeitvertretung:
Ulla Arens
+49 (0) 2241 / 2576-437
presse@steyler-mission.de

 

Datenschutz  |  Kontakt  | Sitemap  |  Impressum  |  Suche