Argentinien

„Ich sehe die Welt jetzt etwas schärfer“

27.06.2012

Seit August 2011 lebt Daniel Schmidt aus Paderborn als Missionar auf Zeit in Südamerika. Seit November ist er in Argentinien im Einsatz, wo er den Steyler Missionar Pater Heinrich „Enrique“ Grosse Darrelmann SVD bei seiner Arbeit im Dorf Azra unterstützt. Markus Frädrich hat mit dem 20-Jährigen über seine MaZ-Erfahrungen gesprochen.

Daniel Schmidt beim Sammeln von Kleiderspenden mit der Jugendgruppe von Azarazoom
Daniel Schmidt beim Sammeln von Kleiderspenden mit der Jugendgruppe von Azara

Daniel, wie bist Du eigentlich auf die Idee gekommen, Missionar auf Zeit zu werden - und wie geht es Dir nach einem halben Jahr vor Ort?

Ich hatte schon immer den Traum, für ein Jahr ins Ausland zu gehen und in eine fremde Kultur einzutauchen, dabei eine neue Sprache zu erlernen, fremde Menschen zu verstehen, ein Teil ihrer Gemeinschaft zu werden. Noch während meiner Schulzeit ist mir klar geworden, dass dies niemals wieder so problemlos möglich sein würde, wie in dem Jahr nach dem Abitur. Daher habe ich mich zu diesem Zeitpunkt für einen Auslandseinsatz entschieden. Bei der Suche nach verschiedenen Möglichkeiten hat mich der Einsatz in einem christlichen Rahmen besonders gereizt. Somit habe ich mich mit meinem Bistum Paderborn in Verbindung gesetzt, um "Missionar auf Zeit" zu werden. Das kann ich nun zum Glück mit den Steyler Missionaren sehr gut umsetzen.

Ich bin hier in Azara sehr glücklich und zufrieden und habe das Gefühl, ein zweites Zuhause gefunden zu haben. Die Sprache beherrsche ich zum Glück nun fließend und die Menschen in der Gemeinde habe ich sehr lieb gewonnen. Ich habe das Gefühl, ein Teil der Gemeinschaft hier zu sein und tatsächlich mitzuleben, nicht nur ein Gast zu sein. Das ist eine tolle Erfahrung. Der ganze Prozess – zunächst ein Fremder zu sein, sich dann einzuleben und dann Teil der Gemeinschaft werden – ist lehrreich und bereichernd. Nun, wie ich voll und ganz dabei bin, ist es einfach nur schön.
Mit Pater Enrique habe ich einen großartigen Steyler Missionar angetroffen. Wir verstehen uns sehr gut, verbringen viel Zeit zusammen. Er hat ein beeindruckendes Leben, von dem er mir schon viel erzählt hat, und ich sehe es tatsächlich als gewisse Ehre, mit einem solchen Menschen ein Jahr verbringen zu dürfen. Von seiner Erfahrung, seiner Menschenkenntnis, seiner Güte kann ich sehr viel lernen. Das ist einfach toll.

Wie sieht Dein Alltag aus? Hast Du vor Ort eine Aufgabe gefunden, mit der Du Dich gut einbringen kannst?

Pater Heinrich „Enrique“ Grosse Darrelmann SVDzoom
Pater Heinrich „Enrique“ Grosse Darrelmann SVD

Da das Gemeindeleben hier äußerst aktiv ist, habe ich viele Möglichkeiten mich einzubringen, worüber ich glücklich bin. Ich versuche, mich soweit es geht ins Gemeindeleben zu integrieren, dabei bin ich aktiv bei der Leitung der Jugendgruppe, der Messdienergruppe, helfe bei der Caritas mit und nehme am Liturgiekreis teil. Desweiteren gibt es in der Gemeinde ständig etwas zu tun, sodass eine helfende Hand immer gefragt ist - vom Bau eines neuen Kreuzweges, bis zum Schmücken der Kirche. Auch kommen viele Leute mit Anliegen zu uns, manche brauchen eine Taufurkunde, andere haben Geldsorgen. Für sie alle muss jemand da sein. Dabei kann ich Pater Enrique viel abnehmen und ihn unterstützen, damit er etwas entlastet ist. Im Haushalt habe ich auch meine Aufgaben. Einkäufe sind ebenso meine Aufgabe wie das Kochen jeden Mittag. Darüber hinaus verwalte ich unser Gästehaus, in dem ich auch mein Zimmer habe, und halte es in Ordnung.

Wie hast Du Deinen Schaltjahr-Geburtstag verbracht?

Im Februar habe ich, endlich mal wieder, einen richtigen Geburtstag gefeiert. An dem Tag selbst hat es leider furchtbar geregnet. Folge: Stromausfall! Bei Kerzenschein und im kleinen Kreis haben wir mit den besten Freunden der Gemeinde angestoßen. Das Geschenk war, wie könnte es anders sein, ein Matebecher. Weil der eigentliche Geburtstag sprichwörtlich ein wenig ins Wasser gefallen ist, haben wir zwei Tage später dann nochmal im großen Kreis mit vielen Gemeindemitgliedern und der ganzen Jugendgruppe gefeiert, was auch sehr schön war.

An seinem Geburtstag stoßen alle neuen Freunde auf Daniel anzoom
An seinem Geburtstag stoßen alle neuen Freunde auf Daniel an

Gibt es schon jetzt Dinge aus Deiner MaZ-Zeit, von denen Du sagen würdest: Die haben Dein Leben bereichert?

Ja, da gibt es unglaublich vieles. Die Lebensart der Menschen hier ist traumhaft. Ihre Offenheit, ihre Unkompliziertheit, ihre Lebensfreude, ihr Gemeinschaftssinn, ihre Hilfsbereitschaft, haben mich ungemein bereichert und fasziniert. Die Argentinier sind ein großartiges Volk!
Dann war es eine spannende Erfahrung, Ausländer zu sein. Man kommt als Fremder in ein fremdes Land, kann die Sprache nur holprig, versteht vieles nicht. Dann taut das Ganze langsam auf und Stück für Stück lebt man sich ein. Das ist eine ganz besondere Erfahrung, durch die man sicherlich auch Menschen, die in Deutschland ähnliche Erfahrungen machen, besser zu verstehen lernt. Es macht jedenfalls Spaß, sich Stück für Stück die Sprache zu erarbeiten und die Leute, die Kultur immer besser zu verstehen. Auch die Spiritualität in einem anderen Kulturkreis kennen zu lernen ist eine neue Perspektive, die mal bereichernd, mal verstörend sein kann. Auf jeden Fall ist es aber ein interessanter Einblick. Im Ganzen habe ich einfach das Gefühl, meinen Horizont erweitert zu haben, quasi die Welt jetzt etwas schärfer zu sehen, und viel an Erfahrung und Erkenntnis gewonnen zu haben.

Und selbst der bittere Mate-Tee ist dir ans Herz gewachsen?
Ich möchte ihn schon jetzt nicht mehr missen. Er ist einfach total lecker und fördert das Gemeinschaftsleben. Jeden Tag lassen wir mit einem gemeinsamen Mate unseren Tag ausklingen.

Daniels neue Liebe: Mate-Teezoom
Daniels neue Liebe: Mate-Tee

Was vermisst Du an der deutschen Heimat – und machst Du dir schon Gedanken über das Leben nach Deinem MaZ-Einsatz?

"Gerade Straßen, sanfte Hügel und überall Yerba-Mate-Anbau: Die Landschaft hat es mir wirklich angetan."zoom

Deutschland vermisse ich weniger, als ich das vorher gedacht hätte. Ich merke hier, dass ich nicht viel zum Leben brauche, um glücklich zu sein. Klar, zuverlässig Strom zu haben ist schon nicht schlecht und die große Auswahl deutscher Supermärkte ist ebenfalls angenehm, was ich hier beim Einkauf in meinem kleinen Dorf bisweilen feststellen muss.
Hin und wieder fehlen mir natürlich meine Familie, Freunde und Verwandte, wobei ein Jahr Ferne aber weniger trennend wirkten, als ich das gedacht hätte.

Was meine Zeit nach dem MaZ-Einsatz angeht, bin ich mir bereits recht sicher. Ich werde, ganz MaZ-untypisch, voraussichtlich Betriebswirtschaftslehre in Mannheim studieren. Daran hat sich auch durch mein MaZ-Jahr nichts geändert. Ich möchte mit der MaZ-Bewegung jedoch so gut wie möglich in Kontakt bleiben, ebenso wie mit meinem MaZ-Dorf, und mich in der Studentengemeinde einbringen.

 

Melanie Pies-Kalkum

Medienredaktion
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