Verantwortung im Umgang mit Freiheit

15.05.2019

Verantwortung im Umgang mit Freiheit

Vor 15 Jahren kam Puplius Buru als 26-Jähriger in St. Gabriel/Maria Enzersdorf an, am 16. Mai 2019 geht er wieder zurück nach Indonesien. Er wird an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Ledalero auf der Insel Flores Pastoraltheologie lehren. „Ich möchte unbedingt weitergeben, was ich hier alles gelernt habe“, nimmt er sich vor. „Sonst ist es nutzlos.“

Ein Glück, dass P. Puplius Meinrad Buru noch ein Stündchen Zeit findet zum Abschieds-Interview. Denn er ist mitten im „Abschieds-Marathon“, wie er sagt, und möchte möglichst viele Freunde und Bekannte noch persönlich treffen. „Ich kenne sooo viele Leute“, bemerkt er dabei. 15 Jahre lang war der Indonesier aus Timor in Österreich, meistens in oder rund um St. Gabriel/Maria Enzersdorf. Mit Menschen in Kontakt zu kommen, war und ist sein pastorales Prinzip. „Ob Jugendliche oder andere Pfarrmitglieder: Für uns als Priester ist es wichtig, den Kontakt zu pflegen. Aufmerksam zu sein, sich Zeit zu nehmen. Für Geburtstagswünsche, für Treffen, fürs Essengehen, … Wenn wir uns Zeit nehmen für sie, dann nehmen auch sie sich Zeit für uns. Nur nebenbei geht es nicht.“ Daher legte er 2017 seine Verantwortung im „Weltdorf“ für Jugendliche in St. Gabriel zurück, denn neben dem Doktoratsstudium an der Uni Wien in Pastoraltheologie und seiner Seelsorge in Maria Enzersdorf-Südstadt und in der Hinterbrühl war es ihm nicht möglich, sich so für das Weltdorf einzusetzen, wie er es für sinnvoll hielt.

Viele Jahre lang engagierte sich P. Puplius M. Buru in der Jugendarbeit. Mehrmals pilgerte er mit einer Gruppe nach Mariazell. 
Viele Jahre lang engagierte sich P. Puplius M. Buru in der Jugendarbeit. Mehrmals pilgerte er mit einer Gruppe nach Mariazell.

Miteinander streiten, nicht gegeneinander

Die Jugendarbeit hatte er gerne gemacht. Ob Jugendnacht oder Gabrieler Silvester, Pfingstfest oder Fußwallfahrt nach Mariazell: Die gemeinsamen Erlebnisse mit den Jugendlichen ließen ihn wachsen. „Es ist eine andere Welt als in Indonesien.“ Dass die ganze Mariazell-Wallfahrtsgruppe, Burschen wie Mädchen, gemeinsam ganz entspannt auf einem Heuboden übernachtete, überraschte ihn und lehrte ihn den Wert von gegenseitigem Vertrauen und Ungezwungenheit. „Menschlichkeit“ ist ein Stichwort, das ihm wichtig geworden ist. „Die Solidarität in der Pfarre mit Armen und Unterdrückten ist groß. In Indonesien konzentriert man sich vielleicht etwas zu stark auf die Liturgie und vergisst dabei leicht auf die Caritas.“ Was er sich noch mitnimmt, ist die Erfahrung, wie Hauptamtliche und Ehrenamtliche in der Pfarre zusammenarbeiten. „‘Wir sind Kirche‘ ist in unseren Pfarren hier kein Slogan, sondern Realität. Die Ehrenamtlichen sorgen dafür, dass das Pfarrleben funktioniert, in allen Bereichen. Dem Priester und Bischof gegenüber sind sie kritisch, aber in höflicher Art und Weise. Wir stritten miteinander, nicht gegeneinander.“

Unter anderem mit seinem Fahrrad entdeckte P. Buru Österreich. 
Unter anderem mit seinem Fahrrad entdeckte P. Buru Österreich.

Der erste eigene Schlüssel

Das erste, was er in Österreich lernte, war die Verantwortung im Umgang mit Freiheit. „Ich hatte den ersten Studienabschnitt in einem sehr großen Priesterseminar gemacht. Dort war alles geordnet, geordnet und geordnet. Hier habe ich sofort einen eigenen Schlüssel bekommen. Das war neu. In der allgemeinen Ordnung macht man mit, aber in Freiheit dasselbe zu tun, musste ich lernen.“ Neben der Verantwortung im Umgang mit Freiheit sieht er zwei weitere Punkte als notwendig für die Arbeit als Missionar. Das Alte loszulassen und frei zu sein, Neues zu empfangen: „Das ist die Inkulturation.“ Der Schlüssel dafür ist die Sprache. Wenn P. Puplius Meinrad Buru nun mit 41 Jahren nach Indonesien zieht, sagt er: „Die Jahre zwischen 26 und 41 – das sind eigentlich die besten und aktivsten Jahre im Menschenleben.“ In seiner Brust schlagen zwei Herzen – ein österreichisches und ein indonesisches. Seine Priesterweihe 2011 gemeinsam mit Edwin Reyes von den Philippinen und Severin Korsin aus Indonesien war die vorerst letzte in St. Gabriel.

Puplius M. Buru war 15 Jahre als Student und Seelsorger in Österreich. Jetzt kehrt er zurück nach Indonesien. 
Puplius M. Buru war 15 Jahre als Student und Seelsorger in Österreich. Jetzt kehrt er zurück nach Indonesien.

Loslassen und Neues empfangen

Die Freude auf den neuen Lebensabschnitt überwiegt die Abschiedstrauer vom Liebgewonnenen. „Ich freue mich, meine Heimat wiederzusehen. Diese Woche hat meine jüngste Schwester Zwillinge zur Welt gebracht, ich durfte ihnen Namen aussuchen. Ich werde sie bald besuchen.“ Für seine Arbeit als Pastoraltheologe an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Ledalero in Maumere auf der Insel Flores hat er Visionen: „Die Priesterstudenten sollen mit den Füßen am Boden der Realität bleiben. Ich habe aus der Realität mehr gelernt als aus dem Großteil der Theorie, die ich irgendwann lernen musste. Meine Vorlesung soll einen Bezug zur pastoralen Realität haben.“ Am Wochenende würde er daher gerne eine kleine Filialkirche am Land betreuen, als Ergänzung zur Arbeit an der Hochschule. „Und am Sonntagnachmittag entspanne ich dann am Strand“, träumt P. Buru von seinen kommenden Semestern und kann sich ein Lächeln der Vorfreude nicht ganz verkneifen.

Bilder: Privat, Text: Slouk