Mission ist echte Begegnung

03.10.2019

Menschen sind wichtiger als Strukturen, das schreibt der weltweite Leiter der Steyler Missionare der Kirche in Europa ins Stammbuch. Über Landraub und Waldbrände, über Vorurteile und Zuhören, über Entwicklungschancen der Kirche sprach Pater Paulus Budi Kleden in Wien zum Auftakt des Weltmissionsmonats Oktober und im Vorfeld der Amazoniensynode (6.-27.10.2019).

Generalsuperior Pater Paulus Budi Kleden kam mit der U-Bahn zum Pressegespräch nach Wien. 
Generalsuperior Pater Paulus Budi Kleden kam mit der U-Bahn zum Pressegespräch nach Wien.

Ob verheiratete Männer zu Priestern und Frauen zu Diakonen geweiht werden sollen, fragte ein Journalist in Wien Pater Paulus Budi Kleden in Hinblick auf die Amazoniensynode (6.-27.10.2019), von der viele erhoffen, dass sie Schwung in diese Fragen bringt. Der Generalsuperior der Steyler Missionare möchte die Ergebnisse der Synode nicht vorwegnehmen. „Ich finde es sehr gut, dass man die Themen offen anspricht. Das ist schon viel. Die Ergebnisse brauchen manchmal Zeit. Es ist jedenfalls wichtig, die Not der Gemeinden in Amazonien und in anderen Teilen der Welt zu sehen. Ich hoffe, dass uns die Synode weiterbringt.“

Landraub und Umweltzerstörung 

Die Zukunft der kirchlichen Dienste ist eine der drei Fragen, die „in Amazonien und in anderen Teilen der Welt brennen“, wie Paulus Budi Kleden SVD sagt. Die Ökologie und das Zusammenleben mit einheimischen Minderheiten sind zwei weitere Brennpunkte, die die Amazoniensynode in den Blick nehmen wird. Der Steyler Generalsuperior schildert von seinem kürzlichen Besuch in West-Papua, dass dort dieselben Fragen wie in Amazonien drängen. Die Rechte der einheimischen Menschen werden laufend durch Landraub verletzt. Großkonzerne mit Sitz unter anderem in Europa übernehmen mit Rückendeckung durch Politik und Militär Hektar nach Hektar Land zur Palmölproduktion. Das Engagement dagegen sei schwierig, „man steht vor einer Mauer“.

Steyler Missionare setzen sich für Gerechtigkeit und Menschenwürde ein, erklärt Generalsuperior Pater Paulus Budi Kleden. 
Steyler Missionare setzen sich für Gerechtigkeit und Menschenwürde ein, erklärt Generalsuperior Pater Paulus Budi Kleden.

Internationalität nicht immer einfach

Trotzdem ist Pater Kleden davon überzeugt, dass die Kirche ihre Stimme immer wieder erheben muss. „Die Kirche ist politisch, denn die Botschaft Jesu hat politische Konsequenzen. Wir müssen uns in verschiedenen Varianten politisch engagieren, besonders zu sozialpolitischen Themen unsere Stimme erheben.“ Als politisches Statement sieht der Generalsuperior auch das Prinzip der Steyler Missionare, überall auf der Welt in internationalen Gemeinschaften zusammenzuleben. Wenn vier Ordensmänner in einer kleinen Gemeinschaft zusammenleben, sind oft vier Herkunftskontinente vertreten. „Für uns ist das ein wichtiges Zeugnis. Es ist aber nicht immer einfach!“

Priester, keine Lückenbüßer

Obwohl Steyler Missionare also ständig im internationalen Austausch stehen, bewertet Pater Kleden weltweite Importe von Priestern vorsichtig. „Ein Priester soll nicht als Lückenbüßer geholt werden, nur damit da wieder ein Priester ist. Damit blockieren wir die Möglichkeit des Weiterdenkens. Es ist falsch, wenn dadurch die Verantwortung der Laien reduziert wird. Wir Steyler denken, dass Mission nur durch die Zusammenarbeit und die Verantwortung aller in der Kirche funktionieren kann.“

Wann kann man von erfolgreicher Mission sprechen? Der Generalsuperior stellte sich in Wien den verschiedensten Fragen von Journalisten. 
Wann kann man von erfolgreicher Mission sprechen? Der Generalsuperior stellte sich in Wien den verschiedensten Fragen von Journalisten.

Eigene Sicht relativieren

Stichwort Mission. Ein weiterer Journalist wollte beim Pressegespräch in Wien vom Steyler Generalsuperior wissen, wann denn Mission erfolgreich sei. Geht es nicht letztlich doch darum, möglichst viele Menschen zur Taufe zu führen und zu Katholikinnen und Katholiken zu machen? Nein, sagt der Chef der Steyler Missionare. „Wir haben Werte, zu denen wir stehen, die wir auch vermitteln wollen, ja! Aber das funktioniert nicht so, dass einer spricht und einer zuhört, einer verkündet und der andere das annimmt. Mission ist echte Begegnung. Dazu muss ich bereit sein, meine Vorurteile abzulegen, meine Erwartungen zu relativieren. Sonst kann ich Menschen nicht wirklich begegnen. Die größte Versuchung ist, Menschen immer aus meiner eigenen Perspektive zu sehen.“ Mission heiße auch, in der Öffentlichkeit präsent zu sein, zum Beispiel in den Medien.

Dialog mit Muslimen

Der Begriff, den die Steyler Missionare in ihren Richtlinien für „Begegnung“ verwenden, ist „prophetischer Dialog“. Diesen Dialog wollen sie vor allem mit Menschen aus anderen Religionsgemeinschaften führen, mit benachteiligten Menschen, mit Menschen, die nach Orientierung suchen und mit Menschen, die glauben, es gäbe keinen Grund zu glauben. In Pater Kledens Heimat Indonesien gibt es zum Beispiel eine lange Tradition des Dialogs mit Muslimen, der weitaus größten Religionsgemeinschaft auf den 17.500 Inseln des Landes. Leider sei die politische Bühne Indonesiens gerade offen für extremistische Gruppen. „Man spricht offen über die Möglichkeit, einen islamischen Staat einzurichten. Das ist sehr schade.“ Es gebe aber unter den Muslimen viele, denen das Zusammenleben und die Zusammenarbeit wichtig seien. „Mit diesen Gruppen wollen wir weiter zusammenarbeiten und sie stärken.“

In der Sprache der Gegenüber zu sprechen, ist für Pater Kleden Voraussetzung jeder Begegnung und jeder Mission. 
In der Sprache der Gegenüber zu sprechen, ist für Pater Kleden Voraussetzung jeder Begegnung und jeder Mission.

Menschen statt Strukturen

Das Gespräch mit Pater Paulus Budi Kleden kehrt zurück zum Thema Kirche, die Frage ist, was die Kirche in Europa von anderen Kontinenten lernen kann. „Die Menschen sollen in den Vordergrund rücken, nicht die Strukturen“, schreibt Pater Kleden den Kirchen Europas ins Stammbuch. Es brauche mehr Beweglichkeit. Sicher sei Mission in Europa schwieriger als in anderen Teilen der Welt. „Aber ich glaube nicht, dass die Europäer den Sinn für die ‚andere Dimension‘ verloren haben. Wenn man zu  Jugendlichen geht und ihnen zuhört, wird das Wort ‚Gott‘ in ihrer Sprache nicht vorkommen, auch ‚Kirche‘ nicht. Und doch ist etwas da, wo ich als Missionar, als Priester einsteigen kann, ohne ‚Gott‘ oder ‚Kirche‘ zu nennen.“

Erst hören, dann handeln

Die Sprache der Menschen zu sprechen, sei eine Grundlage der Mission, auch für Glaubensgespräche. Zuerst zuhören, dann antworten sei wichtig, nicht umgekehrt. Im Grunde gehe es immer um die Menschenwürde. Darum, die eigene Menschenwürde und die aller anderen zu entdecken. „Gott ist Mensch geworden, damit wir die Menschenwürde entdecken.“ Wo Mission gelingt, ist es immer die „Arbeit des Heiligen Geistes“, so der Steyler Generalsuperior Paulus Budi Kleden. „Er ist es, der die Herzen der Menschen berührt.“

Das Gespräch fand am 2. Oktober 2019 in Wien mit mehreren Pressevertretern statt.


Steyler Missionare (SVD) in Kürze

6.000 Steyler Missionare sind in 84 Ländern auf fünf Kontinenten aktiv. Es ist der sechstgrößte Männerorden weltweit. Die meisten Steyler Missionare wirken in einem anderen Land als dort, wo sie geboren und aufgewachsen sind. Steyler Missionare setzen sich besonders für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung ein. Der Dialog mit anderen Kulturen und Religionen ist ihnen dabei wichtig.

Grundlage ihres Einsatzes ist die Bibel, das Wort Gottes. Deshalb lautet der vollständige Ordensname „Gesellschaft des Göttlichen Wortes“ oder lateinisch „Societas Verbi Divini“, abgekürzt SVD. Der Name „Steyler Missionare“ ist im deutschen Sprachraum gebräuchlich. In anderen Sprachen sind Bezeichnungen wie „Verbiten“ - von „Verbum“, also Wort (Gottes) – oder „Missionare des Göttlichen Wortes“ (Divine Word Missionaries) oder einfach „SVD-ler“ üblich.

Bilder und Text: Slouk

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Mission heißt für den Generalsuperior nicht, in der Kirche auf die Menschen zu warten, sondern mit Menschen Zeit zu verbringen, an den Orten, wo sie sich aufhalten. 
Mission heißt für den Generalsuperior nicht, in der Kirche auf die Menschen zu warten, sondern mit Menschen Zeit zu verbringen, an den Orten, wo sie sich aufhalten.