Wie sich Kinder entwickeln – dafür brenne ich!

24.10.2019

Direktorin Barbara Ramos-Pfeiffer von der Erlebnisschule in St. Gabriel machte den Auftakt der St. Gabrieler Vortragsreihe 2019/2020.

„Wofür ich brenne“ ist der rote Faden der St. Gabrieler Vortragsreihe 2019/2020. Fünf Persönlichkeiten sprechen über ihre Spiritualität. Den Auftakt machte am 22.10.2019 Barbara Ramos-Pfeiffer als Direktorin der Montessorischule, die am Areal von St. Gabriel angesiedelt ist. Sie erzählte, wie die „andere Wirklichkeit“ in ihrem Lebensweg immer wieder spürbar wurde und eine entscheidende Rolle spielte.

Sinnvolle Arbeit

Seit 35 Jahren arbeitet Barbara Ramos-Pfeiffer bereits als Lehrerin, seit 25 Jahren in der Erlebnisschule von St. Gabriel, die sie mitbegründet hat und nach der pädagogischen Methode Maria Montessoris in Kombination mit einem persönlichkeitsbildenden Konzept leitet. Nach wir vor brennt sie für die Sache und ist kein bisschen ausgebrannt, wie sie selbst sagt. Woher sie die Kraft schöpft, was sie nährt und brennen lässt, fasst sie so zusammen: „Wenn ich sehe, wie sich die Kinder entwickeln und stark werden – das nährt mich und dafür brenne ich! Meine Arbeit ist sinnvoll.“

Pater Franz Pilz SVD moderierte durch die Fragerunde mit Direktorin Barbara Ramos-Pfeiffer. 
Pater Franz Pilz SVD moderierte durch die Fragerunde mit Direktorin Barbara Ramos-Pfeiffer.

Krisen als Lebensschule

Dabei war ihr Leben und ihr Engagement für die Schule nicht ohne Krisen. Eine erste große Prüfung und ganz schwierige Zeit nennt sie die Trennung von ihrem Mann, den sie kennengelernt hatte, als sie ein Jahr in einem Dorf in den südamerikanischen Anden mitlebte. Weitere große Prüfungen waren Schwierigkeiten mit der Schulgründung, mit denen Ramos-Pfeiffer nicht gerechnet hatte. Dass Persönlichkeitsbildung ein wesentlicher Bestandteil der Pädagogik in der Erlebnisschule ist, hängt auch mit der Lebenserfahrung der Direktorin zusammen.

Suche nach Gerechtigkeit und Frieden

Barbara Ramos-Pfeiffer wuchs in Wien-Liesing unweit von St. Gabriel. Sie war das zweite von vier Kindern und wurde von ihrem Vater in die Welt der Bergabenteuer mitgenommen, von der Mutter in die friedliche Geborgenheit der Kirche, wie sie schildert. Aufgehoben im großen Freundeskreis der Eltern, jung engagiert als Leiterin in Turnverein und Pfadfindergruppe, geprägt von den Jugendnächten in St. Gabriel spürte sie früh, dass sie sich für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen wollte. Mit 16 ging sie ein Jahr in die USA, wo sie erlebte, dass in einem kleinen Dorf sechs verschiedene Kirchengemeinden friedlich nebeneinander existierten. Als junge Erwachsene machte sie sich später nach Nicaragua auf. „Ich habe dort mit den Sandinisten Baumwolle geerntet. Da haben uns Siebenjährige in der Nacht das Lager bewacht. Ich merkte, das kann nicht die richtige Spur sein, und bin weitergezogen.“

Direktorin Barbara Ramos-Pfeiffer brennt für die Erlebnisschule und ihre Schülerinnen und Schüler. 
Direktorin Barbara Ramos-Pfeiffer brennt für die Erlebnisschule und ihre Schülerinnen und Schüler.

Der Ausstieg aus der strukturierten Zeit

In den Anden lebte sie ein Jahr lang in einer Dorfgemeinschaft mit, lernte dort auch ihren späteren Mann kennen. Sie erlebte, wie die Menschen katholische Rituale mit Elementen aus Naturreligionen verschmelzen und feiern. Was ihr noch wichtig war: Das Aussteigen aus der strukturierten Zeit. „Wir wollten irgendwohin fahren. Und wenn dann jemand sagte: ‚Jetzt fahren wir!‘, dann dauerte es noch zwei Wochen, bis wir wirklich fuhren.“ Außerdem war Reisen nicht ungefährlich – und so lernte Barbara Ramos-Pfeiffer, präsent und aufmerksam zu sein. „Die Lebensfreude, die Lebendigkeit und die Achtung vor der Schöpfung, verbunden mit ganz wenig Geld – das habe ich als junge Frau körperlich gespürt, wie gut mir das tat!“

Erlebnisse in der Erlebnisschule

Musik als verbindendes Element, mit viel Weltoffenheit, das kommt auch im Alltag der Erlebnisschule immer wieder vor. Jorge, der frühere Mann von Direktorin Ramos-Pfeiffer, wirkt regelmäßig mit an der Schule, mit Musikpräsentationen. „Wir haben eine CD mit Musik aus vielen Ländern aufgenommen. Der Friede war dabei zentrales Anliegen.“ Auch das Aussteigen ist als Erfahrung für die Schülerinnen und Schüler in die Erlebnisschule integriert: Jedes Jahr fahren die Neun- bis Zwölfjährigen eine Woche auf eine Berghütte ohne Strom. Neben dem Naturerleben lernen die Kinder, Verantwortung zu übernehmen: Holz hacken, kochen, Wasser holen, abwaschen, … das alles ohne Mobiltelefone – das gehört zu den vielen persönlichkeitsbildenden Merkmalen der Erlebnisschule.

Direktorin Ramos-Pfeiffer fesselte das Publikum mit ihrer offenen und sprühenden Erzählung aus ihrem Leben. 
Direktorin Ramos-Pfeiffer fesselte das Publikum mit ihrer offenen und sprühenden Erzählung aus ihrem Leben.

St. Gabrieler Vortragsreihe 2019/2020

Zum Thema „Wofür ich brenne“ sprechen weiters P. Franz Helm SVD (19.11.2019), Sr. Beatrix Mayrhofer SSND (21.1.2020), Christian Konrad (17.3.2020) und Propst em. Maximilian Fürnsinn CanReg (21.4.2020), jeweils um 19.30 im Festsaal des GABRIUM.

Text und Bilder: Slouk