Verbunden – trotz Distanz

15.05.2020

Viele Steyler Missionare in Österreich fanden Wege, auch in der schwierigen Zeit der Corona-Pandemie nahe bei den Menschen in ihren Pfarren zu sein.

Pater Christian Stranz verschickte Video-Botschaften an die Pfarrmitglieder.
Pater Christian Stranz verschickte Video-Botschaften an die Pfarrmitglieder.

Seit Ostern meldete sich Pater Christian Stranz SVD an jedem Sonntag mit einer kurzen Videobotschaft aus seinem Wohnzimmer. Das YouTube-Video verschickte der Dornbirner Pfarrer per WhatsApp und erreichte damit bis zu 400 Menschen – „nicht nur die Sonntagskirchgänger“, wie er betont. Im Seelsorgeraum „Kirche in Dornbirn“ versuchten die hauptamtlichen und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen in den letzten acht Wochen Mittel und Wege zu finden, auch im „Lockdown“, als keine Veranstaltungen, Treffen und Gottesdienste möglich waren, als Kirche präsent zu bleiben.
Die Verantwortlichen in den sechs Pfarrgemeinden erwiesen sich dabei als äußerst kreativ: So gab es die Anregung, einander via WhatsApp „Glücksmomente“
zu schicken. Auf dem Markplatz wurden Installationen zu den Festinhalten von Palmsonntag, Abendmahl, Karfreitag und Ostern aufgestellt, die Assoziationen zur heutigen Zeit bildeten. An die Pfarrmitglieder wurde ein „Sonntags-Säckle“ verteilt. Es enthielt Weihwasser, Ideen für ein Abendgebet und einen Hausgottesdienst sowie ein goldenes „Schoki“.
Auch die Seelsorger in den Seniorenhäusern ließen sich etwas Neues einfallen. Sie überraschten die Senioren mit Gartenkonzerten! Ein Todesfall in der Zeit des Corona-Lockdown ist besonders schwer, weil man die Trauer nicht mit anderen teilen kann: In Dornbirn entstand die Idee, an den Totenwachen per Videokonferenz teilzunehmen. Bis zu 200 MitbeterInnen waren online dabei, was den Trauerfamilien großen Trost vermittelte, wie Pater Stranz erzählt.

Installation zum Palmsonntag auf dem Dornbirner Marktplatz
Installation zum Palmsonntag auf dem Dornbirner Marktplatz
Das "Sonntagsjausensäckle" zum Mitnehmen
Das "Sonntagsjausensäckle" zum Mitnehmen

Er freut sich, dass ab diesem Wochenende - mit den bekannten Auflagen - wieder öffentliche Gottesdienste in den Kirchen des Seelsorgeraums möglich sind. Eine Anmeldung ist in den Dornbirner Pfarren nicht erforderlich. „An den Kirchentüren wird ein Willkommensdienst stehen und Kärtchen mit einem Bibelspruch verteilen, so werden wir die Kirchenbesucher zählen“, berichtet P. Stranz. Die Menschen sollen sich vom Mundschutz nicht abschrecken lassen, appelliert er an die Gläubigen. Auch er lasse sich die Freude am Wiederanfangen von ungewohnten Pflichten nicht verderben.

Wien-Favoriten: Gottesdienste ab Pfingsten

In der Pfarre „Zum Göttlichen Wort“ in Wien-Favoriten, die von den Steyler Missionaren betreut wird, finden vorerst noch keine Gottesdienste statt. „Wir beginnen erst mit Pfingsten“, sagt Pfarrer P. Matthias Felber, der mit Pfarrvikar P. Hans Ettl und den Kaplänen P. Alphonse Fahin und P. Saverius Susanto in den drei Gemeinden St. Johann am Keplerplatz, Zur Heiligen Familie und Alxingergasse tätig ist. „Wir wollten uns keinen Druck auferlegen und wir brauchen noch Vorbereitungszeit, um die Menschen über das Procedere mit Anmeldung usw. zu informieren“, erklärt Pater Felber. Bei einigen Gemeindemitgliedern herrsche auch Skepsis, was die Abhaltung der Messen unter den strengen Corona-Sicherheitsvorkehrungen betrifft. „Zu Pfingsten feiern wir, dass die Kirche erstmals öffentlich aufgetreten ist, daher ist das ein guter Zeitpunkt, um wieder mit den Messfeiern zu beginnen“, meint Matthias Felber.
In den letzten Wochen hat die Pfarre „Zum Göttlichen Wort“ auf Gottesdienstübertragungen per Livestream verzichtet und stattdessen an 200 Pfarrangehörige per E-Mail Materialien für Hausgottesdienste geschickt. In Videos wandten sich die Priester mit kurzen Ansprachen zu den Schriftlesungen an die Gläubigen. „In den nächsten Wochen wollen wir zu Bibelgruppen und Gebetsgruppen einladen, an denen man online teilnehmen kann“, gibt Matthias Felber einen Ausblick. Er fürchtet, dass die durch Corona verursachte soziale Not in Favoriten, dem bevölkerungsreichsten Wiener Bezirk, in besonderem Maß wachsen wird. „Wir überlegen gerade, mit welchen Angeboten wir da als Pfarre Hilfe leisten können.“

Pfarre "Zum Göttlichen Wort": Video-Ansprache von Pater Matthias Felber
Pfarre "Zum Göttlichen Wort": Video-Ansprache von Pater Matthias Felber

Südstadt: Vorerst noch Bibelteilen statt Messfeier

Auch in der Pfarre Maria Enzersdorf/Südstadt, in der die Steyler Missionare P. Elmar Pitterle und P. Michael Kreuzer als Pfarrer und Kaplan tätig sind, finden vorerst noch keine Gottesdienste statt. Erst ab Pfingsten wird es an den Sonntagvormittagen eine Messfeier und am Samstag Wort-Gottes-Feiern geben. „Pfingsten ist unser Patrozinium, deshalb eignet sich dieses Datum als Neubeginn“, berichtet Pater Pitterle. Bis dahin setzt man in der Südstadt auf „Bibelteilen“ in Kleingruppen, zu Hause oder auf der Wiese vor der Kirche.

Telefonisch in Kontakt

Weil wegen der Corona-Vorschriften in der Pfarrkirche von Wiener Neudorf nur 24 Personen Gottesdienst feiern könnten, weichen Pfarrer P. Josef Denkmayr und Kaplan P. Wilfred Bilung mit ihrer Gemeinde nach St. Gabriel aus. „Wir feiern um 10.30 Uhr Sonntagsmesse in der weitaus größeren Heilig-Geist-Kirche“, so Pater Denkmayr. Die Corona-Auflagen sieht er nicht so negativ: „Es ist eine Chance, die Liturgie anders zu gestalten: Weniger Text, dafür mehr Stille“, meint er.

Folder für Erwachsene und KInder liegen in der Pfarre Wiener Neudorf zum Mitnehmen auf.
Folder für Erwachsene und KInder liegen in der Pfarre Wiener Neudorf zum Mitnehmen auf.

Auch in Wiener Neudorf ist das Pfarrleben trotz der Corona-Einschränkungen nicht gänzlich zum Erliegen gekommen. „Wir haben Folder für Erwachsene und Kinder mit dem Sonntagsevangelium, der Predigt und Gedankenanstößen in der Kirche zum Mitnehmen aufgelegt. Dieses Angebot wurde gut angenommen.“ Den Personen, die das Haus nicht verlassen konnten, warf der Pfarrer die Folder in den Postkasten. Zu alten, alleinlebenden Pfarrmitgliedern und Menschen in psychischen Notsituationen hielt Josef Denkmayr via Telefon den Kontakt. „Ich hatte eine Liste mit rund 30 Namen, die ich alle fünf bis sieben Tage angerufen habe.“ Die Freude und Dankbarkeit, nicht vergessen zu werden, war groß. 

Ursula Mauritz