P. Paul Rahmat aus Indonesien: «Ausserordentlich dankbar für jeden Beitrag»

02.05.2018

P. Paul Rahmat aus Indonesien: «Ausserordentlich dankbar für jeden Beitrag»

Vor kurzem besuchte Pater Paulus Rahmat aus Indonesien das Missionshaus Maria Hilf in Steinhausen und die Marienburg. Er betreut verschiedene Projekte, die Unterstützung benötigen. Wir haben die Gelegenheit benützt, ihm ein paar Fragen zu stellen.

P. Paul Rahmat, willkommen in der Schweiz. Was ist der Grund ihres Aufenthalts in der Schweiz?

Ich bin wegen eines zweiwöchigen Kurses zu Menschenrechten am Global Human Rights Training Institute, dessen Sitz in Genf liegt, in der Schweiz. Dank diesem Programm durfte ich auch an der 37. Session des Menschenrechtsausschusses der UN teilnehmen. Ausserdem bot sich mir die Gelegenheit, die SVD-Abteilungen in Steinhausen und Marienburg sowie einige indonesische Steyler Missionare, die in der Schweiz arbeiten, zu besuchen.

Wie ist Ihr Bezug zu Europa und zur Schweiz?

Dank Steyler Missionaren aus Holland, Deutschland, Polen und der Schweiz, die in Flores (Indonesien) arbeiteten, bin ich schon seit meiner Kindheit mit Europa und der Schweiz verbunden. So wurde ich zum Beispiel von P. Joseph van Hoef SVD, einem Holländer, getauft. Und unser Pfarrer, P. Erwin Schmutz SVD, kam aus Ingoldstadt. Ich erinnere mich noch gut an einen Besuch von ihm (in Begleitung eines jungen Schweizer Steyler Missionars) in unserer Dorfkapelle in Look-Golomori (West Manggarai) in den 1970er-Jahren. Als ich auf die Junior School am Unterseminar von St. Pius XII in Kisol (Manggarai, West Flores) ging, traf ich einige Lehrpersonen aus Europa, wie zum Beispiel P. Leo Perik aus Holland, P. Jim Perry aus England, Br. Bernard aus Deutschland oder P. Jan Oleczky aus Polen.

Und dann gibt es noch ein besonderes Ereignis im Zusammenhang mit Europa, oder?

Ja. Eines Nachts 1982 sah ich mir gemeinsam mit Studienkollegen den Film «The Sound of Music» an: Was für ein wunderbarer Film, in dem die weissen Alpen vorkamen. Es war wie ein Traum für mich. Ich hatte keine Ahnung, was noch alles passieren würde, aber dieser Traum wurde zur Realität, als ich 1994 in Österreich war. Eine Gruppe Studenten des Missionspriesterseminars Sankt Augustin in Deutschland, darunter auch ich, führte damals eine spirituelle Auszeit in Vorbereitung der ewigen Gelübde in Österreich durch. An einem herrlichen Frühlingsabend im Mai sass ich auf einer kleinen Holzbank direkt vor dem schneebedeckten Alpen. Die Erinnerungen und Gefühle an den Film, den ich 12 Jahre zuvor gesehen hatte, kamen hoch und ich war schlicht glücklich.

Wie kamen Sie zu den Steylern?

Ich trat den Steyler Missionaren 1985 in Ladelero (Flores) bei, als ich mich nach Abschluss der Senior Highschool am Unterseminar von St. Pius XII in Kisol für die SVD-Kirchgemeinde entschied. Es gibt einige Gründe, weshalb ich Teil der Steyler-Gemeinde wurde, aber der wichtigste für mich waren persönliche Begegnungen mit Steylern während meiner Kindheitsjahre – in der Pfarrei wie in der Schule. Ich war stets beeindruckt davon, wie sich P. Erwin Schmutz und P. Joseph van Hoef den Menschen in unserer Region widmeten. Gewissenhaft besuchten sie über Wochen hinweg Dorf um Dorf – zu Fuss oder zu Pferd, Tag und Nacht, zu Trocken- und Mondzeiten. Neben der Feier von Gottesdiensten und dem Erteilen von Sakramenten für die Gemeinde halfen sie auch allen anderen Dorfbewohner, unabhängig von deren Relgion. Diese Hilfe galt vor allem den Kranken. Diese aufrichtige Missionarsarbeit der europäischen Steyler in Flores und vor allem in meiner Heimat-Gemeinde liess die Ordensberufung «wachsen». Für mich ist das vergleichbar mit den galiläischen Fischern, die Jesus trafen.

Was haben Sie für Aufgaben in der SVD übernommen?

Von 1996 bis 2003 arbeitete ich in der St.Konrad-Pfarrei in Martubung in Nordsumatra. Zu Beginn meiner Missionstätigkeit arbeitete ich mit armen Bauern zusammen, um ihnen  zu helfen, ihre Familien zu ernähren. Dazu zählte zum Beispiel die Bereitstellung von Gemüsesaat zum Anbau von Gurken. Ausserdem unterstützte ich eine Gruppe von Müttern in Tanjung Rejo finanziell dabei, «Ulos» zu weben – traditionelle Schals, die kulturell und ökonomisch sehr wichtig für die Ureinwohner Bataks sind.

Zusätzlich war ich von 1998 bis 2003 verantwortlich für die sogenannten «Internally Displaced People» (IDPs). Damals herrschte Krieg zwischen dem indonesischen Militär (TNI) und dem Aceh Free Movement (GAM), der Tausende von Zivilisten betraf, die aus Sicherheitsgründen gezwungen wurden, von Aceh nach Nordsumatra zu ziehen. Wir halfen 29 IDP-Familien in Südsumatra mit einem Umsiedlungsprogramm. Für die Familien wurden neben Nahrungsmitteln für ein halbes Jahr auch ein kleines Holzhaus sowie 2 Hektaren Land zur Verfügung gestellt.

Was ist Ihre heutige Tätigkeit?

Heute arbeite ich für die Kommission «Justice, Peace and Integrity of Creation (JPIC)» der indonesischen SVD-Provinz Java und das indonesische Sekretariat von VIVAT International, der gemeinsam von den Steyler Missionaren und den Steyler Missionsschwestern gegründeten Nicht-Regierungsorganisation.

 

Und wo sind Sie besonders herausgefordert?

In unserer Missionsarbeit in Kalimantan stehen wir vor zwei grossen Herausforderungen. Einerseits geht es darum, die fehlende Ausbildung der jungen Generation zu bekämpfen. Andererseits wollen wir die Zerstörung der Umwelt durch die Industrie, wie z.B. Kohlbergbau, Plamöl-Plantagen und Abholzung verhindern.

Um diese Probleme anzugehen, hat die SVD-Provinz Java ein Programm für Kalimantan eingeführt, das Go for Borneo 2010 heisst. Das ist ein Berufsbildungsprogramm für die Jungen am BLK St. Franziskus von Assisi in Tayan (West Kalimantan) und am SVD Ecology Center in der Pfarrei St. Paul in Long Bentuk (East Kalimantan). Ausserdem haben wir uns für die Stärkung der Rechte von Menschen eingesetzt, die gegen Landnahme und Abholzung eintreten.

Junge Menschen in entlegenen Gebieten, wie zum Beispiel in der Dayak-Gemeinde, haben eine schlechtere Ausbildung und hohe Abgängerquoten an Grund- und Mittelschulen, was wiederum zu einer hohen Arbeitslosenquote führt. Kein Wunder also, dass viele junge Indonesier ins Ausland (Malaysia oder Hong Kong) auswandern, um dort einen (besseren) Job zu finden. Aber gerade diese Gruppe von Arbeitnehmern ist am meisten gefährdet, ausgebeutet oder gar zu Opfern des Menschenhandels zu werden.

Deshalb bieten wir mit der Berufsbildung für die Jungen am BLK St. Francis of Asissi ein Programm mit vier wichtigen Bereichen: Holzkunde, Kfz-Workshops, Computertechnik und Landwirtschaft. Von 12 Studenten, die im Mai 2014 mit der Ausbildung begonnen, konnten 6 ihre Ausbildung innerhalb von zwei Jahren beenden.

Und was tun Sie bei VIVAT International in Indonesien?

VIVAT Indonesia beschäftigt sich mit Lobbyarbeit in Bezug auf die Todesstrafe, Migranten und Menschenhandel in Indonesien. Die Ausbeutung und Falschbehandlung der indonesischen Migranten im Arbeitsexil hält weiterhin an – vor allem bei Migranten, die aus der Provinz East Nusa Tenggara kommen und in Malaysia arbeiten.

Im Jahr 2017 haben Schätzungen zufolge 1.9 der 4.5 Millionen Indonesier, die im Ausland arbeiten (darunter viele Frauen), keine Papiere oder ungültige Visa. Dies macht sie wiederum anfälliger, dem Menschenhandel zum Opfer zu fallen. Gemäss IOM (International Organization for Migrants) sind zwischen 2005 und 2014 7'193 Indonesier Opfer des Menschenhandels geworden: 955 junge Mädchen, 4'888 Frauen, 166 junge Knaben und 647 Männer. Auch der Anteil bei der Arbeit sterbender Migranten aus Indonesien steigt seit sieben Jahren tendenziell an. Die Migranten wurden oft ausgebeutet und gequält und nahmen sich zum Teil gar selbst das Leben.

VIVAT Indonesia hat die Problematik des Menschenhandels in Indonesien in Zusammenarbeit mit VIVAT International und Franciscans International bei der UNO deponiert: Am 19. März 2018 wurde dazu ein mündliches Statement an der 37. Session des UN-Menschenrechtsausschusses in Genf abgeben. Im April 2018 haben beide internationalen Organisationen gemeinsam einen Bericht über die Situation der Arbeiterausbeutung und des Menschenhandels von Indonesien nach Malaysia geschickt. VIVAT Indonesia und zivilgesellschaftliche Organisationen in Indonesien arbeiten zusammen, um Netzwerke zwischen NGOs und kirchennahen Gruppierungen zu knüpfen, die sich den Migranten- und Menschenhandel-Themen annehmen.

Gibt es für Schweizer die Möglichkeit, Ihre Arbeit zu unterstützen?

Für unsere Projekte sind wir auf finanzielle Unterstützung angewiesen – ob es um die Bereitstellung von Saatgut für die integrierte Landwirtschaft, die Berufsausbildung der jungen Leute oder die Bekämpfung vom Menschenhandel geht. Wir sind ausserordentlich dankbar für jeden Beitrag, der aus der Schweiz kommt.

Falls Sie spenden möchten, hier die Kontoangaben:

Steyler Missionsprokur Maria Hilf
PostFinance AG
Postcheck 90-13192-2
IBAN: CH16 0900 0000 9001 3192 2

Verwendungszweck: Projekte P. Paul Rahmat

(Bildlegende)

Beim Einsatz für Menschenrechte und gegen Menschenhandel geht VIVAT Indonesia auch auf die Strasse. 

Bild von Demonstration in Indonesien