P. Walter von Holzen: «Die Kirche ist eine missionarische Kirche»

18.10.2019

P. Walter von Holzen: «Die Kirche ist eine missionarische Kirche»

P. Walter von Holzen SVD widmete sich – in ganz unterschiedlichen Funktionen und auf verschiedenen Kontinenten – der «Animacion misionera». Heute ist der 75-jährige bei einem Steyler Radiosender in Paraguay tätig und bringt den Menschen dort Mission und Bibel näher.

Walter von Holzen ist auf Heimaturlaub. Bei unserem Gespräch in Steinhausen braucht es kaum Fragen, er ist sich gewohnt, zu formulieren und zu erzählen. Denn in Ciudad del Este in Paraguay, nahe der Grenze zu Brasilien und Argentinien (ganz nah bei den weltberühmten Iguazú-Wasserfällen), macht er verschiedene Radiosendungen. Dabei ist er auch nach wie vor als Vikar in der grossen Steyler Pfarrei im Einsatz. Jedes Wochenende gibt es mehrere Gottesdienste, die von insgesamt wohl 2000 Menschen besucht werden. 

Ein «Fenster zur Mission»

Insbesondere zwei Programme betreut er bei Radio «El Verbo» (ein naheliegender Name für eine SVD-Pfarrei), obwohl er nun den Direktorenposten beim Sender an einen Nachfolger weitergeben konnte: Am Morgen um halb acht gibt es einen Kommentar zum Evangelium des Tages, und in seiner «ventana misionera», dem «Fenster zur Mission», spricht er jeden Mittag über die Missionsarbeit der Kirche in verschiedenen Ländern auf der ganzen Welt. «Ich will die grossen Herausforderungen einer Kirche in Mission besser bekannt machen», sagt P. von Holzen: «Ich versuche den Leuten hier zeigen, dass die Kirche überall das Ferment für eine menschlichere Welt ist bzw. sein kann.» 

P. Walter legt Wert darauf, dass die Menschen über die biblischen Texte und die Botschaften der Kirche nachdenken: «Reflexión» ist ihm ganz wichtig. Deshalb werden auch die Predigten und Meditationen von Papst Franziskus in seiner Mittwochsaudienz übertragen. Und er fühlt sich als Missionar, wenn seine Sendung mit «Radio El Verbo con su reflexión biblica» angekündigt wird. Er möchte die Menschen davon überzeugen, dass das Evangelium auch heute etwas Dynamisches ist, dass eben der Jesus im Lukas-Evangelium ein «anderer» ist als der bei Markus: Dass es also auch unterschiedliche Perspektiven auf Jesus und die Frohbotschaft gibt und so das Wort Gottes bereichern. 

Das Radioprogramm wird über UKW und Mittelwelle mit einer Reichweite von 70 Kilometern ausgestrahlt und ist über Internet  (www.elverbo.com.py ) sogar weltweit mitzuhören. «In Zeiten von Fake News ist ein ernsthafter Sender noch wichtiger als früher», ist P. von Holzen überzeugt.  Die Radiosendungen, wie seine «ventana misionera», auf die er sich durch Lektüre zahlreicher Medien vorbereitet, machen ihm sichtlich Spass, und er kann aus viel Erfahrung  schöpfen: «Ich h abe fast mein gesamtes Ordensleben  ‘animacion misionera’ gemacht», sagt er, und tatsächlich hat er verschiedene, auch ganz wichtige Funktionen in der Steyler Missionsarbeit innegehabt. 

Vielfältige Aufgaben in Paraguay, Rom und Benin 

In den Siebziger Jahren – nachdem ihn an einem Generalkapitel in Rom, wo er studierte, Mitbrüder aus Kongo wie aus Paraguay «getroffen» hatten – erfüllte sich sein Wunsch nach Südamerika zu gehen: es sollte Paraguay sein. Hier war er nach einem Studien-Jahr in Medellín zuerst zwei Jahre in der Pastoral tätig, anschliessend als Rektor und Präfekt am Steyler Priesterseminar. Nach einer kurzen, halbjährigen Erfahrung mit den «comunidades de base» in Brasilien kehrte er zurück und arbeitete 6 Jahre als Missionsprokurator in Paraguay. 1990 führte sein Rückweg von einem Aufenthalt in Nemi bei Rom über Ghana, wo er seinen ehemaligen Seminaristen, den ersten Steyler Paraguayer in Afrika, besuchte: «Afrika hat mich begeistert und ich wollte, dass sich Lateinamerika missionarisch in Afrika engagiert. Ich selber dachte: Ich will nicht nur über Mission reden, ich muss selber gehen.» So kam er in eine eben erst entstehende, erste Missions-Station der Steyler in Benin, wo er als «Lateinamerikaner» vier bis fünf Jahre helfen wollte.

Schon nach zweieinhalb Jahren ereilte ihn jedoch der Ruf des Generalsuperiors aus Rom, den Posten des Direktors von SEDOS zu übernehmen – einer Organisation, die die Missionsarbeit der verschiedenen Orden und Gesellschaften mit einer Zeitschrift und missionarischen Studien begleitet.  Diesen Direktorenposten, der mit viel Koordinationssarbeit verbunden war, hatte Pater von Holzen acht Jahre inne. Nach der Rückkehr nach Paraguay wurde er dort Direktor für die päpstlichen Missionswerke (Missio) und arbeitete so insgesamt fast elf Jahre für die Bischofskonferenz. Anschliessend war er nochmals für drei Jahre als Missionssekretär der Provinz tätig, bevor er Direktor des Radio «El Verbo»-wurde.

Dem Bruder zur SVD gefolgt

Missionar wollte Walter von Holzen, der als sechstes von neun Kindern in einer einfachen Bauernfamilie in Buochs in der Innerschweiz aufgewachsen ist, eigentlich «schon immer» werden: «Ich war schon mit 12 Jahren ein grosser Leser der Missionszeitschriften auf unserem Familientisch. Als ich meinen Eltern sagte, dass ich Missionar werden will, wussten sie nicht, was sie mit mir machen sollten, und schickten mich zum Pfarrer.»   Dieser empfahl ihm, als externer Schüler an das Kapuziner-Kollegium in Stans zu gehen. Die Steyler kannte er noch nicht, bis sein – im Februar dieses Jahres verstorbener – Bruder Vinzenz völlig überraschend bei der SVD eintrat, nachdem er kaufmännische Posten bei einer Bank und bei Bally gehabt hatte. Ihn besuchte der Kapuziner-Student Walter einmal in St. Gabriel: «Da hatte ich sofort das Gefühl: das ist mein Weg», sagt er im Rückblick. 

Als er sich kurz vor der Matura in der ihm unbekannten Marienburg der Steyler in Rheineck «stellte», bat er die dortigen Oberen, sein Noviziat in Irland machen zu dürfen, um so auch eine für die Missionen wichtige Sprache zu erlernen. 1965 trat er dort ein, 1967 bis 1968 war er als Frater in der Marienburg Lehrer und anschliessend studierte er Theologie in St.Gabriel – im selben Kurs wie Armand Schnydrig. Nach der Priesterweihe feierte er 1972 Primiz in Buochs, bevor er nach Rom ging und an der Gregoriana Spiritualität und Bibel studierte. Und von Rom aus ging es dann nach dem Studium auf nach Paraguay und auf diese unerwartete «Missionsreise» durch verschiedene Kontinente, wo immer die Steyler Mission ihn brauchte. Oder wie er es sagt: «Das tägliche, fleissige Trampen auf dem Velo zum Kapuziner Kollegi in Stans ging so auf eine neue Art weiter. Das Fahrrad habe ich jedoch inzwischen mit dem Radio-Studio getauscht».

Roger Tinner

P. Walter von Holzen im Radio-Studio
P. Walter von Holzen im Radio-Studio