Feuer und Flamme

22.05.2018

Die Gemeinde in St. Matthias in München feierte Pfingsten als "Fest der Vielfalt und der Kulturen."

Zu den bekannten Bräuchen, die an Pfingsten im deutschen Raum gefeiert werden, feiert die Pfarrgemeinde St. Matthias, seit Pater Vijay Kumar Tirkey SVD der Pfarrer ist, einen eigenen Brauch: Den Gottesdienst in verschiedenen Sprachen und anschließend das Fest der Kulturen.

Das Ziel dabei ist, die Freude am Glauben mit Begeisterung in die Welt zu tragen –  "besser gesagt, die Welt zu uns zu holen, um diesen Freudentag gemeinsam zu feiern," wie Pater Tirkey dazu sagt. "Feuer und Flamme wollen wir sein für die Sache Jesu. Am Pfingsttag, 50 Tage nach Ostern, wurden die Apostel vom Heiligen Geist erfüllt. Dieser Tag war für die Jünger der Startschuss, den christlichen Glauben zu verkünden und somit die Geburtsstunde der Kirche. Diesen Geburtstag haben wir auch heuer wieder gebührend gefeiert," sagt Pater Tirkey.


Gottesdienstfeier

ProzessionBildlich empfing den Gottesdienstteilnehmer die Altardekoration in Form einer großen Flamme. Ein Erdball wurde von fünf Personen in die Kirche getragen, stellvertretend für die Erdteile. Lektoren aus Mazedonien, Griechenland, Kerala, Peru, England, Slowakei, Ungarn, Marokko, Kroatien, Gabun, Brasilien, Arabien und den Philippinen zogen gemeinsam in die Kirche ein, gefolgt von Ministranten und Seelsorgern aus Odisha (Ost-Indien), Zentralindien, Südtirol, Polen und Deutschland.

Der Projektchor war zusammengewürfelt aus Mitgliedern des Kirchenchores, aber auch Personen aus anderen Ländern sangen pfingstliche Lieder. Als Lieblingslieder gelten mittlerweile das chinesische Shang zhu (Kyrielied), das indische Gloria (Abba seja), die Czarna Madonna (Schwarze Madonna) aus Polen und zum Abschluss das „Großer Gott wir loben dich“ in Deutsch, Spanisch und Italienisch.

TanzZwischen den Lesungen in Fang und Rumänisch tanzte Melanie Poser-Hartmann sehr ausdrucksstark zur Bibelstelle „Stillung des Sturms“ (Markus 4,35-41) einen indischen Gebetstanz.


Heute in Jerusalem – eine Pfingstpredigt

Der Gastprediger, Pater Rudolf Pöhl, Steyler Missionar und Mitglied der "Jetzt Gemeinschaft" in München, führte vor Augen wie Gemeinde und Glauben funktionieren können.

Schwester Immelda Franziska, ebenfalls von der „Jetzt Gemeinschaft“, demonstrierte anhand eines großen Windrades, dass so leicht nichts in Bewegung kommt. Erst versuchte sie alleine, dann mit Hilfe der Ministranten und zuletzt mit der ganzen Gemeinde durch Pusten das Windrad anzutreiben, aber – es rührte sich nichts. Um etwas in Bewegung zu bringen, muss ich mich in den Dienst stellen, engagieren, es braucht Rhythmus und den richtigen Ort, predigte Pater Pöhl.

120 Menschen waren am Pfingsttag in Jerusalem versammelt, vernebelt und voller Traurigkeit. Sie waren erfüllt von Trauer, aber auch voller Vertrauen, denn Christus hatte ihnen den Heiligen Geist versprochen. Und dann kam das Brausen vom Himmel und belebte die versammelte Gemeinde. Und das Wunder von Pfingsten geschah: Sie alle, die mit Jesus verbunden waren, verstanden plötzlich einander, waren eines Geistes und konnten so in der ganzen Welt das Evangelium verkünden. "Und heute hier ist es wie in Jerusalem: Der eine Geist rief uns mit den Völkern zusammen. Jeder erlebt den Geist Gottes jedoch anders!", rief Pater Pöhl aus.

Als weitere Beispiele erwähnte Pater Pöhl die Schwester Immelda, die viel mit Asylbewerbern arbeitet und oft mit muslimischen Jugendlichen Glaubensgespräche führt. Pater Heck, ebenfalls Steyler Missionar, erfährt den Geist unspektakulär, sanft, bei den Gesprächen und Meditationen sowohl in der "Jetzt-Gemeinschaft" als auch in den Cursillo Gruppen.

Pater Pöhl beschrieb die große Dankbarkeit der Steyler Familie (Missionare, Anbetungs- und Missionsschwestern), die an Pfingsten ihr Sendungs- bzw. Gründungsfest feiern und durch das Wirken des Geistes auf der ganzen Welt im Einsatz für die Menschen arbeiten. Wir alle sind jedoch gesandt und mit Gottes Hilfe schaffen wir es auch. Wir sollen nicht verzagen, auch wenn mal Windstille herrscht. Öffnen wir uns und hören wir auf den Geist Gottes!


Fest der Völker und Kulturen

Nach der Eucharistiefeier gab es im Pfarrsaal Speis und Trank. Für den Arbeitskreis Organisation ist dieses Fest jedes Mal eine Herausforderung. Es ist schwierig einzuschätzen, wie viele Menschen zum Fest kommen werden, wie viel Grillfleisch eingekauft werden muss, was die Leute an landestypischen Spezialitäten mitbringen werden, wieviel Kuchen es geben wird. Auch arbeitstechnisch ist das Fest ein großer Aufwand für die ehrenamtlichen Helfer. Aber alle sind mit Begeisterung und Freude an der Arbeit und so war das Fest auch bewirtungsmäßig ein Erfolg. Vermisst wurden heuer die Mitbewohner aus dem Asylbewerberheim, die aufgrund des Ramadans nicht teilnehmen konnten.

Sogar der Bezirksausschussvorsitzende, Dr. Weidinger, beehrte das Fest mit seinem Besuch und richtete ein Grußwort an die Feiergemeinde.


Ein buntes Kulturprogramm

Einen weiteren Höhepunkt dieses Tages bildete das Kulturprogramm am Nachmittag, das von Veronika und Christian profimäßig moderiert wurde.

FlöteZur Einstimmung spielte Claudia Marchi auf ihrer indischen Bansuri (Bambusflöte). Gespannt lauschten alle der anfangs befremdlich klingenden Flöte. Pater Pare eröffnete das Nachmittagsprogramm mit einem indischen Gebetstanz in indischer Tracht.

Den nächsten Programmpunkt gestalteten die Kinder aus dem Kindergarten. Sie sangen ein Mutmach-Lied und setzten sich gesangsmäßig mit den Problemen der heutigen Welt auseinander. In einem Lied erzählten sie von Kindern, die leider kein eigenes Bett haben und sich hart kämpfend durchs Leben schlagen müssen. Ein weiteres Lied befasste sich mit engstirnigen Gruppierungen, die kein Anderssein zulassen. Trotzdem ging dieser Liedtanz gut aus, waren doch die „Buntgefleckten“ für alle offen, so dass ein gutes Miteinander stattfinden konnte.

Ein Gemeindemitglied aus Gabun sang zusammen mit ihrer Freundin ein afrikanisches Lied in der Fang-Sprache. Das nächste Lied erzählte vom Leben auf den Philippinen. In diesem Land ist der amerikanische Einfluss sehr groß, so wurde noch ein englisches Lied zugegeben. Der Tanz "Stillung des Sturms" – diesmal mit Kawo-Elementen (mit Kampfsportausdrücken) – in chinesischer Tracht war als nächstes dran.

Anschließend tanzte die Gruppe „Malachi“ einen Gruppentanz aus Israel: „T’ifilati – Mein Gebet“. Unsere Ministranten sangen Cheap thrill und zeigten ihren bewährten „Ministrantentanz“ (indisch).

Besonders adrett war die tibetische Kindergruppe aus München, die uns unter strenger Anleitung ihres Lehrers das tibetische Alphabet vortanzten. Teenager und Jugendliche aus der tibetischen Gruppe führten das Programm fort. Besonders bunt und anmutig waren die Tänze der philippinischen Frauen aus Augsburg, die uns mittlerweile freundschaftlich verbunden sind.

Der nächste Gesang, ein indisches Bollywoodlied, gesungen von Pater Pare, handelte vom wunderbaren Leben. „Das Leben ist wie ein Liebeslied, das jedes Herz singen muss“. Dann wurde es laut, Korbinian entführte uns im schottischen Outfit mit Dudelsack auf die britische Insel.

Lustig wurde es, als der indonesische Pater Devis (Steyler Missionar) ein schwäbisches Lied zum Besten gab. Zum Abschluss wurden alle aufgefordert zu tanzen. Pater Piotr Karolewski (Steyler Missionar) sang dazu das Lied „Vamos alli“ – ein echter Ohrwurm.


Feuer und Flamme – noch für lange Zeit

Zum Abschluss des wirklich erfüllten Tages versammelten sich alle zur Dankandacht mit Pater Tirkey in der Kirche und hörten besinnliche Texte zum Heiligen Geist.

"Auch wenn ich Ihnen noch so vorschwärme und voll Feuer und Flamme bin, kann es doch nur einen Teil rüber bringen, was wir an diesem Tag an Freude, Glück und Zusammengehörigkeit erlebt haben," strahlt die Pfarrsekretärin von St. Matthias. "Aber nächstes Jahr gibt es ja wieder ein Pfingstfest bei uns!"

 

Petronilla Maier
Pfarrei St. Matthias