Taiwanischer "Herr der Ringe"-Autor in Sankt Augustin

08.10.2019

Der taiwanische Autor Neqou Soqluman besuchte mit seiner Frau Grace Hsiao die wissenschaftlichen Institute Monumenta Serica und Anthropos der Steyler Missionare in Sankt Augustin.

Ausschnitt des Buch-Covers "Die Legende des Tongku Saveq", das als taiwanisches "Herr der Ringe" gehandelt wird.  
Ausschnitt des Buch-Covers "Die Legende des Tongku Saveq", das als taiwanisches "Herr der Ringe" gehandelt wird.

Der taiwanische Autor Neqou Soqluman besuchte mit seiner Frau Grace Hsiao die wissenschaftlichen Institute Monumenta Serica und Anthropos der Steyler Missionare in Sankt Augustin. Der Autor stammt aus der taiwanischen Volksgruppe der Bunun und ist Lehrer für indigene Kultur, Bergführer, freischaffender Schriftsteller wie auch protestantischer Prediger. Die Bunun gehören zu den 16 Volksgruppen der Ureinwohner Taiwans und leben in Zentral-Taiwan. Sie unterscheiden sich von der chinesischstämmigen Bevölkerungsmehrheit Taiwans vor allem in der Sprache – die Sprachen der Ureinwohner gehören zur austronesischen Sprachfamilie – und in ihren Mythen.

Neqou Soqluman hat die Mythen der Bunun in dem Roman Die Legende des Tongku Saveq (chin. Donggu shafei chuanqi, Bunun: Palisia Tongku Saveq) zu einer epischen Fantasy-Geschichte verarbeitet. Obwohl der Roman als taiwanischer Herr der Ringe gefeiert wird, ist er bisher leider noch in keine westliche Sprache übersetzt worden. Die Geschichte folgt dem jungen Buan (Sohn des Mondes), so genannt wegen einem Mondmal auf seinem Arm, und seinen vier Gefährten, seinem Bruder Sanluoke, dem Naturgeist Subina, dem einsamen Jäger Sayinu und dem Zwerg Maputis, auf dem Weg zum heiligen Tongku Saveq. Dort treffen sie auf den rachsüchtigen Schamanen Maqaiu, der versucht, durch dunkle Magie Buans Heimat, die Welt der zwei Inseln, ins Verderben zu stürzen.

Besuch im Institut Monumenta SericaIn einem Gespräch mit der Redaktion des Instituts Monumenta Serica sprach Neqou Soqluman über seine Motivation als Schriftsteller: Der Tongku Saveq, auch Yushan (Jadeberg) genannt, ist mit 3952 m der höchste Berg Taiwans. Für das Volk der Bunun hat der Berg eine besondere Bedeutung, da er der Legende nach während einer großen Flut in der Vorzeit zur letzten Zuflucht der Menschheit wurde. Diese und andere Mythen und Traditionen der Bunun fließen in Neqou Soqlumans Werk ein und sollen die Kultur seines Volkes der taiwanischen Mehrheitsgesellschaft nahe bringen. Zugleich gehören zu seinen literarischen Vorbildern die Romane von J.R.R. Tolkien und C.S. Lewis. Wie bei diesen beiden Autoren ist auch sein Werk von einem tiefen christlichen Glauben getragen: Es ist ihm ebenso ein erklärtes Anliegen, über seinen Roman Berührungspunkte zwischen der traditionellen Kultur der Bunun und dem Christentum herauszustellen.

Besuch im Anthropos InstitutWährend ihres Besuches im Anthropos Institut erhielten Neqou Soqluman und Grace Hsiao eine Führung durch die Räumlichkeiten des Institutes. Dabei wurden die Zeitschrift und die Forschungstätigkeit der Mitglieder vorgestellt, wobei insbesondere Dominik Schröders und Anton Quacks Tätigkeit auf Taiwan unter dem indigenen Volk der Puyuma hervorgehoben wurde. Abschließend erhielt das Besucherehepaar die chinesische Übersetzung eines Buches mit Mythen der Puyuma überreicht, die von den beiden genannten Forschern aufgezeichnet worden waren.

Der Besuch von Neqou Soqluman fand im Rahmen seines Deutschlandbesuchs anlässlich des Workshops zur Literatur Taiwans mit dem Titel „Exploring Sinophone Polyphony – Voices of Modern Literature in Taiwan“ statt, der von dem Fach Sinologie der Universität Trier und dem Institut Monumenta Serica ausgerichtet wurde. Weitere Informationen hierzu finden sie auf derWorkshop-Hompage sowie auf der Homepage des Instituts Monumenta Serica.

Text: Dirk Kuhlmann (Institut Monumenta Serica), Harald Grauer (Anthropos Institut)