Künstliche Intelligenz und Digitale Transformation: „Alles ist miteinander verbunden“

05.09.2019

Künstliche Intelligenz und Digitale Transformation: „Alles ist miteinander verbunden“

Das „10th European Catholic China Colloquium“ (ECCC), das vom China-Zentrum in Sankt Augustin organisiert wurde, hat über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 15 Ländern nach Siegburg geführt.

Dabei ging es um die Frage eines verantwortungsvollen Umgangs mit Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz und darum, was diese neuen Technologien für die Gesellschaft und die Kirchen Chinas bedeuten. „Die 3-tägige Konferenz hat den großen Bogen gespannt und einen teils beeindruckenden, teils beunruhigenden Einblick in die Chancen und Risiken der Technologisierung und Künstlichen Intelligenz ermöglicht“, sagte Pater Martin Welling SVD, der Direktor des China-Zentrums. „China kommt bei diesem Themenfeld eine exponierte Rolle zu. Bei der Tagung wurde deutlich, dass eine gemeinsame Ethik für den Umgang mit diesen Technologien noch fehlt und dass dafür ein Dialog zwischen westlichen und nicht-westlichen Traditionen notwendig ist.“

„Nie hatte die Menschheit so viel Macht über sich selbst, und nichts kann garantieren, dass sie diese gut gebrauchen wird“, schrieb Papst Franziskus mit Blick auf die technologischen Fähigkeiten der Gegenwart in seiner Enzyklika Laudato Si‘. Für Papst Franziskus ist „alles miteinander verbunden“ – wie Professor Massimo Borghesi von der Universität Perugia in seinem Vortrag betonte. Mao Yishu vom Mercator Institute for China Studies in Berlin konkretisierte, wie künstliche Intelligenz bereits in alle Bereiche des Lebens in China eingedrungen ist – angefangen vom künstlichen Nachrichtensprecher bis hin zu Anwendungen in der Rechtsprechung, der Medizin, im Unterricht und im Bereich der öffentlichen Sicherheit. Unter chinesischen Experten gebe es aber noch einen Pluralismus von Meinungen, wie diese Technologien ethisch zu bewerten seien.

Professor Fu King-wa, ein Medienforscher von der University of Hong Kong, analysierte „Chinas 360-gradige Informationskontrolle“. Dabei unterschied er drei Ebenen: „Kontrolle 1.0“ bestehe in staatlicher Überwachung und Zensur des Internets und sozialer Medien. Bei der „Kontrolle 2.0“ beeinflusse der chinesische Staat aktiv die öffentliche Meinung und das Nutzerverhalten, etwa durch die Manipulation von Themenrankings oder gekaufte Kommentare in sozialen Medien. „Kontrolle 3.0“ weite sich vom online-Verhalten auf den Alltag aus: So werde bis 2020 das „Social Credit System“ voll in Kraft treten, welches das Verhalten der Menschen in allen Lebensbereichen bewerten und durch Strafmaßnahmen wie Reiseeinschränkungen konditionieren wird.

Dass das Zeitalter der mobilen Kommunikation auch neue Chancen für die Evangelisierung in China bietet, machte ein weiterer Vortrag deutlich: Er stellte eine App vor, die von einer Gruppe junger chinesischer Katholiken entwickelt wurde. Diese App bietet den Nutzern neben kirchlichen Nachrichten und Informationen zu den Pfarreien auch den liturgischen Kalender, religiöse Musik und Hörbücher, Videos, Stundengebet, Bibelbetrachtungen sowie Chat-Gruppen an. Darüber hinaus befasste sich die Konferenz mit der Situation der katholischen Kirche in China. Sie ist, wie die anderen Religionen Chinas, betroffen von immer stärkerer Kontrolle durch die staatlichen Behörden. Der kommunistische Staat fordert, dass die Religionen sich „sinisieren“, das heißt vereinfacht „chinesischer“ werden.

Text: Katharina Wenzel-Teuber (China-Zentrum)

Fotos: Pater Václav Mucha SVD

Das Tagungshaus "Katholisch Soziales Institut" (KSI) in Siegburg. (Foto: SVD) 
Das Tagungshaus "Katholisch Soziales Institut" (KSI) in Siegburg. (Foto: SVD)
Musikalische Begleitung bei der Eröffnung der Konferenz. (Foto: SVD) 
Musikalische Begleitung bei der Eröffnung der Konferenz. (Foto: SVD)
Weihbischof Schwaderlapp begrüßte die rund 100 Teilnehmer der Konferenz. (Foto: SVD) 
Weihbischof Schwaderlapp begrüßte die rund 100 Teilnehmer der Konferenz. (Foto: SVD)
Das Interesse aus dem Ausland an der Konferenz war groß. (Foto: SVD) 
Das Interesse aus dem Ausland an der Konferenz war groß. (Foto: SVD)