Endlich frei!

02.03.2020

Endlich frei!

Gedenktag und Ausstellung über Niederländer, die 100 Tage in den Klosterkellern in Steyl vor den deutschen Besatzern in Sicherheit gebracht wurden.

Am 1. März vor 75 Jahren wurden zum Ende des Zweiten Weltkrieges über 400 Niederländer aus den Kellern der Steyler Ordenshäuser befreit. 100 Tage lang hatten sich die Verzweifelten in den „Katakomben“ der Klöster versteckt, in Angst und Gebet - und sie überlebten. Nach bangen Wochen wurden die Nazis endlich von den Alliierten verjagt.

Diese Geschichte zeigt den Wahnsinn des zweiten Weltkriegs: Niederländer suchten Schutz vor den deutschen Besatzern bei deutschen Ordensleuten im besetzten niederländischen Gebiet. Steyler Ordensleute scheuten kein Risiko, nahmen ihr Herz in die Hand und öffneten ihre Türen. Es war kein Befehl von oben, kein nationales Kalkül, sondern einfach Nächstenliebe.

Ähnliches geschieht auch heute bei der „Steyler Familie“ im Kongo, Sudan, Österreich, Philippinen, weltweit. „Unrecht geschieht immer, wenn Menschen sich zu Göttern aufspielen und andere unterdrücken“ sagte Pater Franz-Josef Janicki während seiner Predigt in der überfüllten Unterkirche. „Dies hört erst auf, wo man im Nächsten die Schwester und den Bruder erkennt – jenseits von Nation, Kultur und Weltanschauung.“

Nach genau 75 Jahren saßen Deutsche und Niederländer geschwisterlich am Tisch und ließen sich anschließend durch die Ausstellung in einem der Keller führen. Fassungslosigkeit, Bestürzung, Schweigen.

Maurice Ambaum ist der Initiator dieses Gedenktages und Herausgeber des Buches „100 Tage in den Klosterkellern von Steyl“ mit berührenden Tagebuchaufzeichnungen der Betroffenen. Das Buch ist bei den Missionaren und Missionsschwestern in Steyl erhältlich.

Anmeldungen zu Führungen unter: http://forgivenessmuseum.com/

Text: Pater Rüdiger Brunner SVD
Fotos: Bruder Heinz Helf SVD