Kulturelle Integration bei einer Familie

09.09.2020

Frater Phucs Erfahrungen aus dem Familienpraktikum

"Mein Name ist Phuc und ich lebe seit zwei Jahren in der Fratresgemeischaft in Sankt Augustin. Einer der wichtigsten Faktoren im Gemeinschaftsleben der Steyler Missionare sind kulturelle Unterschiede. Durch die Vermittlung von Pater Peter Claver Narh, einem der Formatoren der Ausbildungsgemeinschaft, habe ich während meines zweiwöchigen Praktikums bei einer deutschen Familie kulturelle Unterschiede gesehen und kennengelernt.

Familie

Viele Menschen in Deutschland kennen meine Heimat Vietnam durch das große Ereignis, nämlich den Krieg zwischen Vietnam und Amerika. Die Familienmitglieder meiner Gastfamilie waren sehr überrascht, als sie durch mich Vietnam aus einer neuen Perspektive kennengelernt haben. Vietnam, ein kleines Land mit mehr als 98 Millionen Einwohnern, liegt in Südostasien und weist viele einzigartige Kulturmerkmale auf, z.B. Überquerungsgewohnheiten der Straßen, Ess- und Trinkkultur auf der Straße und andere alltägliche Gewohnheiten. Die Familie war sehr gespannt auf die Überquerungsgewohnheit der Vietnamesen, als ich ihnen davon erzählte. Was ist dort so cool? Denn in Deutschland haben Fußgänger beim Überqueren der Straßen immer Vorrang. Alle Fahrzeuge halten für Fußgänger an, die zuerst die Straße überqueren dürfen. Dies ist jedoch das genaue Gegenteil in Vietnam. Während die Fahrzeuge in Bewegung sind, überqueren Fußgänger die Straße langsam. Entweder vermeiden die Fußgänger den Verkehr oder umgekehrt, der Verkehr nimmt Rücksicht auf die Fußgänger. Das Überqueren der Straße in Vietnam ist für viele ausländische Touristen immer ein sehr interessantes oder unvergessliches Erlebnis, mit anderen Worten, eine Herausforderung oder sogar ein Abenteuer.

Beim Mitleben und Integrieren in dieser deutschen Familie lernte ich, wie sie denken, wie sie miteinander umgehen und wie sie einander Zuneigung zeigen. Auch wie sie ihre Zeit während des Tages einteilen oder einen Ausflug planen und gestalten. Alles ist klar und im Voraus geplant. Das ist etwas völlig anderes als in Vietnam, wo es zum Beispiel eine Kultur des „zufälligen Besuchs“ gibt, die bei den Menschen sehr beliebt ist.

Boot

Eine Familiengewohnheit, die mich sehr interessierte, war die Arbeit der Großeltern. Die Frau kochte und bereitete das Essen zu, während der Ehemann die Frau unterstützte, indem er das Gemüse schnitt und hinterher das Geschirr spülte. Sie teilten sich die tägliche Arbeit untereinander auf und arbeiteten gern zusammen. Eine kleine Tat hat aber eine große Wirkung. Darum wünsche ich mir, dass diese Situation in vietnamesischen Familien verbessert wird. Denn in unserer Kultur wird Kochen, Geschirrspülen und Wäschewaschen immer als Arbeit der Frauen in der Familie gesehen. Dabei hilft der Man normalerweise seiner Frau nie. Wenn doch einmal ein Mann diese Dinge tut, gilt er als einer, der vor seiner Ehefrau Angst hat.

In Bezug auf die Kulturen denke ich jedoch, dass es keine bessere oder schlechtere Kultur gibt. Es gibt wohl viele Unterschiede in den jeweiligen Kulturen und ich muss einfach lernen, diesen kulturellen Unterschied zu respektieren.

Durch zweiwöchiges Zusammenarbeiten, Zusammenleben und Zusammenfeiern mit und in der Familie habe ich unzählige wertvolle Erfahrungen sammeln können. Wir haben viele Gemeinsamkeiten entdeckt, viel miteinander unternommen wie
z.B. Wanderungen, Fahrradtouren, Schwimmen, Kanu Fahren, Gartenarbeit usw. Das alles ist wichtige für einen zukünftigen Missionar in Europa.

Text: Frater Phuc