Sinologie im Spiegel

13.12.2020

Der Jahresband 2020 der Zeitschrift Monumenta Serica

BuchMit ihrem Band 68 bietet die sinologische Zeitschrift Monumenta Serica in zwei Teilbänden (Juni und Dezember 2020) wieder eine Fülle von Artikeln zu spannenden Themen der chinesischen Kultur.

Was uns Veränderungen in den Ornamenten und Mustern chinesischer Bronzespiegel im ersten Jahrhundert vor Christus über die politischen Verhältnisse der Westlichen Han-Dynastie verraten, deckt ein chinesisch-amerikanischer Kunsthistoriker auf. Wie buddhistische Vorschriften dazu beitrugen, einen See während der Song-Zeit (10.–13. Jh.) als Ökosystem und gleichzeitig als Nahrungsquelle für die Bevölkerung zu sichern, untersucht eine deutsche Sinologin. Auf welche Weise die biblischen Frauengestalten Salome und Sulamith chinesische Dramatiker der 1920er und 1930er Jahre inspirierten, zeigt ein slowakischer Sinologe und Komparatist.

Das Selbstverständnis der Sinologie als Wissenschaft reflektieren mehrere Artikel im zweiten Teilband, allesamt Beiträge einer im Oktober 2019 in Siegburg abgehaltenen Konferenz des Instituts Monumenta Serica: In welchem Verhältnis steht die Beschäftigung der Jesuitenmissionare mit China im 17./18. Jahrhundert zu der in Europa entstehenden akademischen Disziplin der Sinologie im 19. Jahrhundert? Inwiefern bieten die Felder „Recht“ und „Literatur“ in China frühe Anknüpfungspunkte für ein interdisziplinäres Verständnis von Sinologie? Wie sollten die „nationalen Studien“ (guoxue) in China seit dem Ende der Kaiserzeit zum Aufbau eines modernen Nationalstaates beitragen? Und wie blicken Chinawissenschaftler in Indien im 20. und 21. Jahrhundert auf ihr Nachbarland?

Drei Nachrufe erinnern an bedeutende China-Wissenschaftler, die im vergangenen Jahr verstorben sind: an Roman Malek SVD (1951–2019), den langjährigen Chefredakteur der Zeitschrift Monumenta Serica und Experten für Religionen in China, an Rolf Gerhard Tiedemann (1941–2019), Historiker des Christentums in China, und an Rolf Trauzettel (1930–2019), den Bonner Sinologen und Historiker.

Die neue Ausgabe von Monumenta Serica umfasst neben 20 Artikeln und Nachrufen auch 23 Buchrezensionen. Die Beiträge sind in englischer und deutscher Sprache verfasst.

Die kompletten Inhaltsverzeichnisse von Band 68 sind unter den folgenden Links einsehbar:

Band 68, Heft 1: https://www.tandfonline.com/toc/ymon20/68/1?nav=tocList

Band 68, Heft 2: https://www.tandfonline.com/toc/ymon20/68/2?nav=tocList

Monumenta Serica. Journal of Oriental Studies Bd. 68 (2020). Institut Monumenta Serica, Sankt Augustin 2020. 592 S., Abb. ISSN 0254-9948

Monumenta Serica ist sowohl in elektronischer als auch in gedruckter Form bei dem englischen Verlag Taylor & Francis erhältlich.

Preise und Bestellung: http://www.tandfonline.com/pricing/journal/ymon20

Das Institut Monumenta Serica ist eine wissenschaftliche Einrichtung der Steyler Missionare zur Erforschung der chinesischen Kultur, von Archäologie über Geschichte, Kunst, Literatur, Philosophie, Religion und Sprache. Neben der Zeitschrift Monumenta Serica Journal of Oriental Studies gibt das Institut auch zwei Buchreihen heraus, die Monumenta Serica Monograph Series und die Collectanea Serica. Das Institut blickt auf eine mehr als achtzigjährige Geschichte zurück. Die Zeitschrift Monumenta Serica wurde 1935 an der Katholischen Fu Jen Universität in Peking gegründet. Nach weiteren Stationen in Nagoya, Tokyo und Los Angeles sind Redaktion und Bibliothek seit 1972 in Sankt Augustin auf dem Campus der Steyler Missionare angesiedelt. Die Präsenzbibliothek des Instituts steht auch Besuchern offen und umfasst ca. 100.000 Bände an Büchern und Zeitschriften in chinesischer, japanischer und westlichen Sprachen.

Text: Barbara Hoster