Neue Chancen für das Wesentliche

25.12.2020

Dankbarkeit zeigen und Träume teilen

Steyler Krippe

Weihnachten ist da… Und damit auch wieder das Ende eines Jahres… Wir haben in der letzten Zeit viel darüber gelesen und gehört, was wir selbst erfahren haben: 2020 war ganz anders. Und wie es aussieht, werden wohl auch Weihnachten und der Jahreswechsel anders sein.

Aber vielleicht liegt ja in diesen Unterschieden eine Chance. Die Chance, Wesentliches wieder klarer zu sehen; die Chance, unseren Alltag neu mit der Botschaft von der Menschwerdung Gottes zu verbinden. In der Routine eines Jahres liegt genauso wie in zu viel weihnachtlicher Routine die Gefahr, nicht mehr zu verstehen oder nicht mehr zu erfahren, worum es eigentlich geht und wie die Frohe Botschaft Jesu uns für und in unserem Alltag Kraft und Orientierung geben kann.

2020 war für viele Menschen ein schwieriges Jahr mit Erfahrungen von Leid, Krankheit und Tod. Irgendwie steht alles Kopf. In vielen Teilen der Welt ist die Lage viel schlimmer als hier bei uns. Und trotzdem erleben wir Beschränkungen und Grenzen in unserem Alltag, die wir so nicht kennen. Wie wird das weitergehen? Was bringt das neue Jahr? Das sind Fragen, die viele heute bewegen…

Aber diese Tage sind auch eine Zeit zurückzuschauen auf unsere Erfahrungen oder auf Ereignisse dieses Jahres. Wie wir es gewöhnlich tun, werden wir am Jahresende – wenigstens für uns persönlich – auswerten und planen. Wenn ich auf unsere Provinz schaue, sehe ich, dass in diesem Jahr – trotz allem – viel geschehen ist. Am Anfang stand die Generalvisitation. Die Verträge zur Übergabe der St. Augustiner Hochschule wurden unterzeichnet. Der Schulbetrieb im Gymnasium in St. Wendel wurde beendet. In Dresden wurde eine neue Pfarrei unter Leitung unserer Mitbrüder gegründet. In Aulendorf haben wir 50 Jahre SVD Präsenz in der Pfarrei gefeiert. Aus der „Stadt Gottes“ wurde „Leben jetzt“… Mitbrüder haben Bücher oder Artikel veröffentlicht, Jubiläen und Geburtstage gefeiert. Steyler Schwestern, Freunde und Partner setzen sich weiter auf ihre jeweils eigenen Weisen in der Mission Gottes ein… Mitbrüder sind gekommen und gegangen, leider sind auch in diesem Jahr Mitbrüder verstorben… Wir schauen auf ein besonderes, auch auf ein schwieriges Jahr zurück, aber wir können das auch jetzt voller Dankbarkeit tun! Vielleicht kann uns das in diesen Tagen ein wenig anregen: Uns bewusst werden an wen oder was wir mit Dankbarkeit denken…

Im Wort des SVD Leitungsteams heißt es in der aktuellen Ausgabe von Arnoldus Nota (Dezember 2020): Die gleichen Träume teilen: Wir sind herausgefordert durch unseren Namen, der uns in der Mission identifiziert. Je mehr wir im Wort verwurzelt sind, desto mehr können wir das Wesen unseres missionarischen Lebens entdecken. Der Ruf zur Erneuerung und Verwandlung erhellt das Zusammensein mit den anderen in unserer Gesellschaft des Göttlichen Wortes. Allein zu handeln macht uns nicht kritischer, so wie Individualismus uns nicht freier macht. Das Ziel unseres Handelns muss die Verwirklichung des Projekts Jesu sein und nicht die persönliche Anerkennung. Die Bedeutung unseres Dienstes für die Kirche, das Erwecken neuer Berufungen, das Festhalten am Evangelium durch unsere Verkündigung und die tiefgreifende gesellschaftliche Veränderung werden durch die bewusste Entscheidung geschehen, aus einem gemeinsamen Projekt heraus zu teilen und zu handeln. Wir werden Zeugnis ablegen von Erneuerung und Veränderung, wenn wir andere Mitbrüder und andere Dialogpartner in unsere Projekte für eine neue Wirklichkeit und eine inklusive Welt für alle einbeziehen.

Das mag eine Aufgabe für das vor uns liegend Jahr sein, die sich aus der Menschwerdung des Göttlichen Wortes für uns ergibt: andere mit einbeziehen, aus den Erfahrungen von 2020 das neue Jahr vor allem als Jahr mit anderen leben… das zeigt Gott uns, wenn er als Mensch unter uns wohnt und unser Leben teilt. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und ein gesegnetes Jahr 2021!

Text: Pater Martin Üffing SVD, Provinzial
Foto: Pater Václav Mucha SVD