„Feldhasenwiese garantiert uns keine Zukunft“

13.03.2020

Kleine Provinzversammlung der Steyler Missionare in Steyl

Begrüßung

Die Freude über das Wiedersehen war den Steyler Mitbrüdern anzumerken, als sie am 9. März 2020 zu einer kleinen Provinzversammlung im niederländischen Steyl zusammenkamen, auch wenn die Stimmung ganz anders war, als sonst. Anstatt sich zur Begrüßung die Hände zu reichen oder sich mitbrüderlich zu umarmen, gab es nur einen Ellenbogen- oder Fußabschlag. „Corona“ ist tatsächlich auch bei uns schon angekommen.

Zu Eröffnung der Versammlung sagte Pater Martin Üffing, Provinzial der Steyler Missionare in Deutschland: „Wir leben in einer Zeit, wo Grenzen geschlossen werden, um sich vor dem Coronavirus zu schützen, um ein bisschen Sicherheit zu erlangen, obwohl wir wissen, dass sich das Virus von einer geschlossenen Grenze nicht aufhalten lässt.“ „Uns Steyler zeichnet aber gerade aus, dass wir Grenzen überschreiten, weil dies in gewissem Sinne unsere Mission ist. Wir sind gemeinsam auf dem Weg, um die Gute Botschaft zu verkünden und das sollte auch bei dieser Provinzversammlung deutlich werden. Wenn wir miteinander auf dem Weg sind, dann kann etwas wachsen,“ betonte Pater Martin Üffing.

Thematischer Schwerpunkt der Versammlung war die Erneuerung und Transformation der Provinz der Steyler Missionare in Deutschland. Schwester Anna-Maria Kofler SSpS, Provinzleiterin der Steyler Missionsschwestern, erläuterte in ihrem Vortrag, wie dieser Prozess bei den Missionsschwestern vorangeht. Mit klaren Worten stellte sie die Situation der heutigen Zeit in Deutschland und in Europa dar und machte ganz deutlich: „Wenn wir einen Beitrag aus dem Evangelium heraus leisten wollen, müssen wir uns verändern. Manchmal müssen wir auch radikale Entscheidungen treffen, um unserer Mission treu zu bleiben“. Ihre Worte fanden großen Anklang bei allen Mitgliedern der Versammlung.

Anna-Maria Kofler SSpS

Die Berichte der Rektoren, Präsides, Offiziale und Gäste aus den einzelnen Niederlassungen zeigten eindrucksvoll, dass die Mitbrüder dort in ihren jeweiligen Aufgabenbereichen ihr Bestes geben. Von Hamburg über Sankt Augustin bis nach Aulendorf, vom niederländischen Steyl bis nach München versuchen sie alle, Steyler Zeichen zu setzen, um als missionarische Gemeinschaft wahrnehmbar zu sein:

„Als Feldhasen auf der Wiese zu leben, garantiert uns keine Zukunft, sondern nur einen Zusammenhalt in der Gemeinschaft“, erläuterte Pater Gerhard Birk SVD humorvoll. „Die Gemeinschaften sind in der Regel sehr international und damit auch interkulturell aufgestellt und selbst ein deutscher „Dinosaurier“ wie ich findet darin einen sinnvollen und unersetzbaren Platz“. 

Auch die wöchentlichen „Herrenabende“, wie sie liebevoll in der Gemeinschaft der Mitbrüder in Hamburg genannt werden, leisten einen Beitrag zum Wachstum von Spiritualität und Geselligkeit in der Gemeinschaft.

Manch einer mag sich Missionsarbeit auf dem Lande vielleicht monoton vorstellen. Doch weit gefehlt: „Dass Oberschwaben durch Migration und Flüchtlinge interkulturell geworden ist, ist nicht zu übersehen. Da können wir uns als Steyler in einer Kleinstadt wie Aulendorf mit seiner ländlichen Umgebung wie im Missionsgebiet einer Großstadt einsetzen“, betonte Pater Anantham SVD.

„Gastfreundschaft wird bei den Steylern überall großgeschrieben, im Zentrum Sankt Michael in Steyl ebenso wie in Berlin oder in Sankt Augustin. „Daran sind die Steyler Missionare wirklich erkennbar“, sagte Herr Hunstig, Vertreter der Steyler Partner und Freunde.

„In der Gemeinschaft der Fratres in Sankt Augustin herrscht eine Kultur des Kommens und Gehens. Viele sind hierhergekommen und viele haben uns wieder verlassen“, sagt Pater Fidelis, Präfekt der kleinen Fratresgemeischaft, mit Bedauern. „Das soll uns aber nicht traurig stimmen. Wenn Mitbrüder weggehen, müssen wir lernen, damit umzugehen. Es ist einerseits wichtig, einen solchen Schritt zu respektieren, anderseits müssen wir uns fragen, wie wir die Formation verändern sollten“, sagte er. „Wir müssen darauf achten, dass sich Formation bei uns nicht zur Deformation entwickelt“, ergänzte Pater Martin Üffing.

Versammlung

„Das Thema Berufungen gibt uns zu denken. Wo die Novizen zu „fischen“ sind, in welchen Tiefen sie zu finden sind, ist eine herausfordernde Frage für alle Mitbrüder. Wir leben in Situationen, wo Menschen häufig Ortswechsel vornehmen und neue Kontakte suchen. Für junge Menschen auf der Suche müssen wir ein Angebot bereithalten“, meint Br. Reiner Theißen, zuständig für Berufungspastoral.

Steyler Partner und Freunde sind ein wichtiger Teil der Steyler Familie. Dazu gehören viele Menschen, die die Steyler Missionarinnen und Missionare unterstützend begleiten. „2017 wurde die vierte Kerze am Sarkophag Arnold Janssens für die Steyler Partner und Freunde aufgestellt und der Sarkophag selbst auf vier Füße gestellt. Wir wollen das Bewusstsein stärken, dass wir alle zur Steyler Familie gehören“, erklärte Herr Hunstig. Dazu trifft sich die Steyler Familie einmal im Jahr am Palmsonntag in Steyl. Das soll zu einer Tradition werden. Thema des nächsten Treffens wird sein: „Christenverfolgung ohne Ende“.

Auch das Apostolat Zeitschriften ist seit einiger Zeit dabei, sich zu erneuern und das Steyler Magazin „stadtgottes“ neu zu entwickeln. Eine Veränderung des Namens halten die meisten für notwendig, „damit wir ein Produkt haben, mit dem wir die Menschen erreichen“, sagte Br. Paul Heider. Reichweite gewinnen heißt, alle Kanäle zu nutzen, die zur Verfügung stehen. Was die neue Zeitschrift auszeichnen soll sind Steyler Geschichten, christliche Werte, ein ansprechendes Layout, die Möglichkeit zum Mitmachen und ein kritischer Geist.

Apostolat Zeitschriften

Zum Abschluss sagte Pater Provinzial Martin Üffing: „Wir sind uns der Situation der Provinz bewusst und kennen unsere Überzeugung, für die wir brennen, für die wir uns engagieren. Wie halten wir es aber mit neuen Projekten? Schwester Anna-Maria hat uns daran erinnert, dass es Zeit wird, konkrete Schritte zu unternehmen, um die charakteristischen Themen unserer Ordensgemeinschaft neu mit Leben zu füllen. Sind wir dazu bereit? Ein konkretes Beispiel ist die Arbeit der Steyler in Pfarreien, die auf den Prüfstand gestellt werden sollte. Was könnten wir jüngeren Mitbrüdern über Pfarrseelsorge hinaus bieten? Jedenfalls können und müssen wir proaktiv in die Zukunft blicken.“

Text und Fotos: Pater Václav Mucha SVD

Provinzversammlung