Wenn der Kipppunkt erreicht wird, ist es zu spät

16.01.2020

Wenn der Kipppunkt erreicht wird, ist es zu spät

Engagierter Vortrag über die Amazonassynode bei der Akademie Völker und Kulturen.

Im vergangenen Oktober rückte die Amazonasregion vor allem im katholischen Raum in einen besonderen Fokus. Bei der Amazonassynode hatten der Papst, die Bischöfe und viele geladene Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Lösungen für die Probleme der Region gesprochen und konkrete Empfehlungen für eine Haltung der Kirche ausgesprochen.

Regina Reinart, Referentin beim katholischen Hilfswerk Misereor und ausgewiesene Amazonien-Expertin, war als Teilnehmerin am Rahmenprogramm der Synode, ganz nah am Geschehen. „Der Papst hatte mit dieser Synode eine phantastische Idee“, schwärmt die gebürtige Eifelerin in ihrem Vortrag bei der Akademie Völker und Kulturen im Audimax der Philosophisch-Theologischen Hochschule SVD in Sankt Augustin.

Dabei entführte sie die rund 80 Gäste in die Region rund um den Amazonas und berichtete engagiert von den Problemen vor Ort: „2019 gab es rund 10.000 km² Entwaldung in den Urwäldern. Das ist eine Katasthrophe für die Tier- und Pflanzenwelt, aber auch für die Menschen, die mit und von der Natur leben“, so Reinart. „Hier werden Lebensadern zerstört. Das betrifft nicht nur die Menschen vor Ort, sondern auch uns hier ganz konkret.“

So würden die Wälder vor allem für den Soja-Anbau und die Tierzucht geopfert. Viele dieser Produkte landeten über den Import auch in Deutschland. „Deshalb haben wir eine Mitverantwortung.“ Vor allem dramatisch sei die Situation, wenn ein bestimmter Kipppunkt überschritten werde, denn dann „ist der Klimawandel nicht mehr aufzuhalten“, mahnte Reinart.

Die Synode habe aus ihrer Sicht vieles richtig gemacht. Die Indigenen hatten eine starke Stimme in Rom und die Debatten seien von gegenseitigem Respekt und einer großen Offenheit geprägt gewesen. „Der Papst hat auch den Frauen Mut gemacht und ihnen gesagt, dass sie ihre Stimme erheben sollen.“ Die katholische Kirche sei in Brasilien immer noch ein wichtiger Gesprächspartner. Daher sei das Zeichen, das von der Synode ausgegangen sei, von so großer Bedeutung gewesen.

Eingerahmt wurde der Vortrag der Brasilienkennerin vom Mottolied der Synode: „Tudo esta intelidadó“ – alles ist miteinander verbunden.

Text: Nils Sönksen